Literweise Erbsen und Blaubeeren – herneitä ja mustikoita litroittain

Zurzeit kommt man in Lebensmittelgeschäften und auf Wochenmärkten an den prallgefüllten Verkaufstheken mit einem verlockenden Angebot an Gemüse, Obst und Beeren nicht vorbei. Zumindest geht es mir so. Da denke ich jedes Mal an den schönen „kauppatori“ in Helsinki, wo man Erdbeeren, Blaubeeren und Erbsen literweise kauft. Und wenn man zu Hause ankommt, sind die Erbsen schon aufgegessen.

Die Blaubeeren sind kleiner und stammen noch aus dem Wald. In Finnland werden jährlich sage und schreibe mehr als 60 Mio. kg wildwachsende Beeren in Wäldern und Sumpfgebieten gepflückt. Darin sind die Beeren für den privaten Bedarf noch nicht einmal eingerechnet.

Aber auch in Finnland hält die Kulturheidelbeere (pensasmustikka) Einzug, ist ja auch viel einfacher zu ernten. Sie sieht zwar aus wie die wilde Sorte, kann aber – zumindest meiner Meinung nach – im Geschmack nicht mithalten.

Eine meiner Kindheitserinnerungen ist der selbstgemachte Blaubeerkuchen, „mustikkapiirakka“, aus wilden Blaubeeren hergestellt, versteht sich. Die Zunge muss richtig blau sein nach dem Essen! Bei mustikkapiirakka gibt es zwei „Schulen“, für die einen muss es unbedingt ein Mürbeteig sein, aber für mich ist ein mustikkapiirakka nur dann echt, wenn er auf dem Backblech mit einem Hefeteig gebacken wurde.

Egal ob wild oder gezüchtet – hier mein Lieblingsrezept mit Blaubeeren:

 

Blaubeerkuchen

Zutaten (für ein Backblech)

2½  dl             Milch

25  g                 frische Hefe

1                        Ei

1  dl                   Zucker

2  TL                 Vanillinzucker

½-1 EL            Kardamom

3/4 TL              Salz

7 dl                    Weizenmehl

100 g                 zerlassene Butter

Füllung

1 l               Blaubeeren

2 dl             Zucker

1 dl             Wasser

2 EL           Kartoffelstärke

1                  Ei zum Bestreichen

Zubereitung

  1. Den Hefeteig (pullataikina) zubereiten: Die Milch leicht erhitzen und die Hefe darin auflösen. Ei, Zucker und Gewürze hinzufügen und gut verrühren. Mehl nach und nach hinzufügen und dabei mit einem Schneebesen rühren, bis eine dickliche Masse entsteht. Danach mit der Hand weiterkneten und das restliche Mehl hinzugeben. Der Teig darf nicht zu fest werden. Die etwas abgekühlte, zerlassene Butter hineingeben und den Teig kräftig durchkneten. Falls der Teig zu fettig ist, Mehl hinzugeben. Der perfekte Hefeteig ist elastisch und löst sich vom Schüsselrand. Den Teig mit einem Küchenhandtuch abdecken und an einem warmen, nicht zugigen Ort aufgehen lassen.
  2. Die Zutaten für die Füllung in einem Topf ständig rührend zum Kochen bringen und anschließend abkühlen lassen. Den aufgegangenen Teig auf einer bemehlten Fläche etwas kneten und 1/3 des Teiges beiseitelegen.
  3. Das Backblech mit Backpapier auslegen. Den Teig auf die Größe des Backblechs so ausrollen, dass er etwas über den Rand reicht und auf das Backblech heben. Die Ränder nach innen einrollen, damit die Füllung nicht wegfließen kann. Den Teig noch einmal 10 Minuten gehen lassen und die Füllung darauf verteilen. Den restlichen Teig in eine längliche Form ausrollen und mit einem Teigrädchen in Streifen schneiden. Die Streifen dekorativ auf die Füllung legen, den Rand und die Streifen mit dem verquirlten Ei bestreichen und im vorgeheizten Backofen im unteren Teil ca. 20 Min. bei 225°  backen. (Schmeckt auch ohne Streifendekor!)

Guten Appetit – hyvää ruokahalua!

Marianne

Fotos: Visit Finland

Von Algen, Seezeremonien und dem Leben der Made Betty

Neulich war ich bei einer spannenden Veranstaltung des Architektursommers Hamburg. Im privaten Garten von Edith Sticker in Volksdorf führten Prof. Julia Lohmann und ihr Ehemann Gero Grundmann  ein Künstlergespräch mit dem Philosophen Andreas Kohlschmidt  über ihr Projekt Department of Seaweed. Die Performance von Julia Lohmann verwandelte das Volksdorfer Hühnerhaus aus dem Jahr 1939 in ein asiatisch inspiriertes Teehaus des 21. Jahrhunderts.

Die Algen – Superfood und nachhaltiges Material der Zukunft – waren Medium und Inhalt einer rituellen Zeremonie, der ich beiwohnen durfte.  Die Zeremonie, auf alten japanischen Traditionen basierend neu interpretiert – daher Seezeremonie –  eröffnete den Gästen eine sinnliche, innere Naturerfahrung, für die das alte Hühnerhaus das perfekte Ambiente bot.

Julia Lohmann ist seit einem Jahr Professorin für Design an der Aalto Universität in Helsinki. Sie untersucht und hinterfragt die ethischen und materiellen Wertvorstellungen, die unserer Beziehung zu Flora und Fauna zugrunde liegen. Im Gespräch erzählte sie, wie sie schon als Kind durch ihren Vater auf Dinge aufmerksam gemacht wurde, die andere weggeworfen haben oder als Strandgut angespült worden sind, aber in einem anderen Kontext zu einem neuen Dasein als Kunstobjekte gelangen konnten.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Gero Grundmann, ebenfalls international renommierter Designer, hat Julia Lohmann spannende Projekte durchgeführt. Das Thema ihrer Promotion, die sich mit der Frage nach Entstehung und Vergänglichkeit befasste, war Anlass für eine Performance mit lebenden Maden in einem unbewachten Raum der Tate-Modern-Galerie in London. In Tinte getauchte Maden krochen über Londoner Stadtpläne und beantworteten „Fragebögen“ über ihre persönlichen Befindlichkeiten und Wünsche. So wollte z.B. die Made Betty in Notting Hill leben und Flugbegleiterin werden.

»Wir gaben den Maden Namen und sahen, wie die Leute sie plötzlich als Individuen wahrnahmen und nicht als etwas Ekelerregendes«, sagt Grundmann. Als die Performance dann vorbei war, kamen die Zuschauer und machten sich sogar Sorgen um das weitere Schicksal der Maden: „Muss Betty jetzt sterben?“

Es ist also immer eine Frage des Blickwinkels und des Kontextes. In den Händen einer Designerin wird die Made zum Individuum Betty und der unappetitliche Schafsmagen zur dekorativen Lampe. Die Kultur prägt unsere Identität, unsere Werte und Beziehungen. Sie formt auch unser Umfeld und unsere Lebensweise. Durch ihre Arbeit sensibilisiert Julia Lohmann die Menschen, ihr Umfeld genauer zu betrachten und Dinge zu entdecken, die – weil so selbstverständlich geworden – wir gar nicht mehr wahrnehmen und damit bewusster mit der Natur und den Ressourcen umzugehen.

Marianne Sinemus-Ammermann

Eure Meinung interessiert uns!

Liebe Finnland-Freunde,

an dieser Stelle werden wir in Zukunft über verschiedene finnlandbezogene Themen bloggen. Im Gegensatz zu den News auf dieser Website sind die Blogeinträge persönlicher, berichten über Erlebtes, geben Meinungen wieder, zeigen Finnland und die Finnen aus einer subjektiven Perspektive. Natürlich ist auch das Thema „Finnland in Deutschland“ hier interessant.

Die Beiträge werden von verschiedenen Autoren geschrieben. Wir laden aber auch alle Mitglieder sehr herzlich ein, mitzumachen! Wenn jemand in seinem Finnland-Urlaub etwas Besonderes gesehen oder erlebt hat, kann er das gerne hier als Tipp an alle anderen Mitglieder weitergeben. Beiträge können, gerne mit ein paar passenden Fotos, an die allgemeine info-Mailadresse der DFG S-H gesendet werden, wir werden sie dann redaktionell bearbeiten und veröffentlichen.

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Marianne Sinemus-Ammermann