Das goldene Zeitalter

Im Zeitraum von 1880 bis 1910, als Finnland noch Teil des russischen Zarenreichs war und zunehmend unter den Repressalien der russischen Regierung zu leiden hatte, erlebte das Erwachen der nationalen Identität der Finnen einen starken Aufschwung. Dieser machte sich auch in der gesamten finnischen Kulturszene bemerkbar.

Kennzeichnend für die Epoche war die Tatsache, dass die Künstler in ihren Werken ihr Heimatland darstellten, seine Menschen, seine Natur und seine Geschichte. Dabei stand die Schönheit und Einzigartigkeit des Landes im Vordergrund.

Jugendstil und Nationalromantik

Der Jugendstil war eine internationale Kunstbewegung zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, die nach einer neuen, modernen Formensprache suchte. Charakteristisch sind fließende, geschwungene Linien, florale Ornamente, asymmetrische Formen und die Einheit von Kunst und Alltag.

In Finnland wird der Jugendstil mit der Nationalromantik in Verbindung gebracht. Kennzeichnend waren organische, sanfte Formen sowie Motive aus der finnischen Natur, wie der Bär, das Eichhörnchen oder der Tannenzapfen. Der Jugendstil machte sich in der Architektur, der Malerei und in der Formensprache bemerkbar. Der Jugendstil in Finnland war jedoch etwas gradliniger und majestätischer als in Mitteleuropa.

Die nationalromantische Architektur der Epoche in Finnland bevorzugte Natursteine und Holz als Baumaterial, steile Dächer, Erkerfenster und asymmetrische Grundrisse. Bedeutende Maler der Epoche, wie Akseli Gallén-Kallela oder Emil Wikström ließen sich vom Nationalepos Kalevala sowie der karelischen Handwerkstradition und Landschaft inspirieren.

Pariser Weltausstellung

Der finnische Pavillion, Foto: Museovirasto

Das goldene Zeitalter der finnischen Kunst wurde insbesondere auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 präsentiert. Auf dem Höhepunkt der Belle Époque lag der Schwerpunkt der Weltausstellung auf Kunst und Wissenschaft: „Sie soll den Schluss bilden eines fruchtbaren Jahrhunderts und zeigen, was Kunst und Wissenschaft und menschliche Arbeit zu schaffen vermögen“, wie die Idee der Ausstellung damals vom französischen Handelsminister beschrieben wurde.

Im finnischen Pavillon, der von Eliel Saarinen, Armas Lindgren und Herman Gesellius entworfen wurde, gab es vier großformatige Fresken von Akseli Gallén-Kallela mit Kalevala-Motiven sowie u.a. Werke von Albert Edelfelt und Emil Halonen. Kommerzielle Produkte wie z.B. Porzellan von Arabia oder Liköre von Lignell & Piispanen waren in anderen Ausstellungshallen untergebracht. Neben vielen weiteren Preisen hat der finnische Pavillion den Grand Prix gewonnen, der jedoch nicht Finnland, sondern der russischen Ausstellungskommission zugeschrieben wurde.

Die Künstlergemeinschaft von Tuusulanjärvi

E.Järnefelt: Pekka Halonen spielt Kantele, Foto: Museovirasto

In den Jahren des Übergangs vom 19. ins 20. Jahrhundert entstand am Tuusula-See eine Künstlerkolonie, als der Schriftsteller Juhani Aho, der Komponist Jean Sibelius und die bildenden Künstler Pekka Halonen und Eero Järnefelt nebeneinander Häuser am Ufer des Sees bezogen. Der etwa 40 km nördlich von Helsinki entfernte See bot die Ruhe der Natur, aber lag dennoch nah genug an der Hauptstadt Helsinki dran.

Die ersten Bewohner waren der Schriftsteller Juhani Aho mit seiner Frau Venny Soldan-Brofeldt, die eine erfolgreiche bildende Künstlerin war. Danach baute der enge Freund von Juhani Aho, Pekka Halonen ein Haus für seine Familie am Tuusula-See, das den Namen Halosenniemi erhielt. Auch Eero Järnefelt war gut mit Juhani Aho befreundet und baute schließlich ein Haus im englischen Stil mit dem Namen Suviranta direkt neben Ahola, wie das Haus von Juhani Aho genannt wurde.

Ainola, Foto: Museovirasto/Volker von Bonin

Die Schwester von Eero Järnefeldt, Aino, hat den Komponisten Jean Sibelius geheiratet und auch sie ließen sich in Tuusula nieder. Ihr im Jugendstil erbautes Haus Ainola ist heute ein Museum und wird in dem Zustand erhalten, in dem es war, als Aino 1969 starb. Auch Ahola und Halosenniemi stehen heute als Museen dem Publikum zur Verfügung. In 2025 zählten die Museen am Tuusula-See mehr als 170.000 Besucher.

Wir werden in Kürze eine Artikelserie über die einzelnen Künstler des goldenen Zeitalters veröffentlichen.

Titelfoto: Gallén-Kallela Museum

Das Titelbild zeigt das Atelier-Schloss Tarvaspää, in dem Akseli Gallén-Kallela gearbeitet und teilweise mit seiner Familie auch gewohnt hat. Es ist eine Mischung von verschiedenen Stilrichtungen und den persönlichen Vorstellungen Gallén-Kallelas. Das Gebäude besteht aus drei Bereichen: Atelier, Turm und Galerie.

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