Helsinki-Reise im Spätsommer 2026 – Teil 4
Im vierten und letzten Teil des Reiseberichts von Alexandra dreht sich alles um Design und kulinarische Genüsse in einem vegetarischen Spitzenrestaurant in Helsinki. Das Dinner war Teil des Hauptgewinns des DFG-Kochmarathons und das kulinarische Highlight der Reise.
Sonntag, 30.8.2026 – Helsinki Design Week
Heute ist bereits der dritte Tag der Helsinki Design Week (HDW), ich bekomme den Newsletter dazu seit Jahren. Dieses Jahr habe ich Gelegenheit, den Designmarkt zu besuchen. Er findet jedes Jahr während der HDW statt, diesmal Samstag und Sonntag in der Kabelfabrik, anderthalb km von unserer Wohnung. Ich folge von der Tram aus den Menschen und komme zum Eingangsbereich der Halle.
Drinnen gibt es eine Lounge-Ecke mit Kissen auf dem Boden, in der ein paar Kinder sitzen, daneben ein sehr ausgefallener Stand.
Unzählige Firmen sind vertreten, die hier Muster ihrer Designsarbeiten anbieten. Einige kenne ich wie aarre, Joutsen und Sanna & Olli, die meisten nicht. Ich bleibe bei Illustrationen und Grafiken hängen. Das Bild mit der backenden Katze hat es mir sehr angetan. Leider ist es ein Original und kostet daher 300 Euro. Der Künstler Matti Pikkujämsä erklärt mir, dass diese Zeichnungen ganz neu und noch nicht gedruckt sind. Ich frage ihn, ob er auch Kinderbücher illustriert. Er bejaht und sagt, dass er auch für Textilfirmen entwirft und für Zeitungen zeichnet. Abends google ich den Namen und stelle fest, dass ich seit 2020 eine Decke von Lapuan Kankurit mit dem Muster Metsikkö habe, das von ihm stammt.
Und bei Arabia in der Esplanadi steht ein von Matti Pikkujämsä entworfenes Geschirr und Besteck. Offensichtlich ein in Finnland bekannter Grafiker. Es gibt auch von ihm illustrierte Kinderbücher auf Deutsch.
Und dann finde ich noch einen Stand mit Kinderbüchern, Postkarten und Textilien, die mich sofort faszinieren.
Ich frage die Frau hinter dem Stand, ob sie eine der Autorinnen der Bücher ist. Sie ist tatsächlich die Illustratorin Eri Shimatsuka. Das Buch kostet zum Glück nur 25 Euro und so geht es mit nach Hause plus vier Postkarten. Die Illustrationen sind zauberhaft.
Ich frage sie, ob ich sie fotografieren darf und bekomme das Buch signiert.
Eri erzählt mir, dass sie vor 20 Jahren von Tokio nach Helsinki gekommen ist und sich inzwischen an die ‚kleine‘ Stadt gewöhnt hat. Auch sie entwirft für Firmen, z.B. Finarte wunderschöne Textildesigns, gefunden beim Finnish Design Shop.
Auf ihrer Internetseite finden sich weitere Werke. Ich freue mich über diese gute Begegnung.
Auf dem Designmarkt ist es inzwischen ziemlich voll geworden. Draußen im Hof schenkt Fazer kostenlos Kaffee aus.
Montag, 31.08.2026 – endlich wieder duschen und noch mehr finnisches Design
Vormittags regnet es in Strömen. Kerstin nutzt die Zeit zum Stricken – das Strömsö-Muster wächst. Ich schreibe den Reisebericht und sortiere Fotos.
Mittags kommen tatsächlich nach mehrfacher Nachfrage Handwerker, um an der Dusche den Temperaturregler zu tauschen. Seit Mittwoch kommt nur noch kochend heißes Wasser, so dass wir nicht duschen können. Zum Glück gab es eine Dusche bei der Sauna im Keller. Nun können wir wieder im Bad duschen.
Nachmittags hört der Regen auf und wir fahren mit der Tram zu Arabia. Der Gebäudekomplex sieht beeindruckend aus. Wenn man die Hämeentie 135 A-D entlang geht, merkt man, wie er ist. Hier wird heute noch entworfen. In den historischen Gebäuden findet sich ein Campus.
Drinnen sind Produkte von Iittala und Arabia sowie Fiskars zu finden. Es ist wunderschön gedeckt und dekoriert.
Dienstag, 01.09.2026 -Shopping und Aalto-Pavillon
Am Dienstag wollen wir nochmal Richtung Stadt, um den für die HDW am Hafen erstellten Aalto-Pavillon zu besuchen. Erstes Ziel auf dem Weg ist der Wollladen Snurre in der Liisankatu in Kruununhaka. Dort gibt es tatsächlich auch finnische Wolle in schönen Farben. Ich möchte mir im Herbst einen Pullover stricken, weiß aber noch nicht, wieviel ich brauche. Gut, dass man auch von Deutschland aus bestellen kann.
Nebenan ist der Spielzeugwaren Tingeling, wie aus der Zeit gefallen, aber auch mit modernem Spielzeug, liebevoll ausgewählt und gute Beratung. Nur ein Muminpuzzle mit 300 Teilen für den Enkel, der demnächst sechs wird, gibt es leider nicht. Aber ein Holzpuzzle vom Muminhaus.
Im Taitoshop an der Esplanadi stelle ich fest, dass es dort neben Tuku noch andere finnische Wolle gibt, z.B. Saimaa-lanka.
Nun aber zum Aalto-Pavillon. Er ist nach der Form der berühmten Aalto-Vase entworfen. Da man ihn von innen erst ab 12 Uhr besichtigen kann, trinken wir erstmal einen Kaffee vor der Kauppahalli. Dazu gibt’s Mustikkapulla – ein Hefeteiggebäck mit Blaubeeren.
Innen ist der Pavillon mit Bildern des Fotografen Arno Rafael Minkkinen bestückt, er setzt den menschlichen Körper in Beziehung zu der organisch geformten Vase. Licht erhält der Pavillon durch einen Schacht in der Decke.
Wir lassen die Installation auf uns wirken. Beim Verlassen des Pavillons bekommen wir einen Umschlag überreicht, er enthält einen Gutschein für ein Geschenk im iittala-Shop. Wir lösen ihn ein und erhalten ein Poster von dem Bild mit der Vase, aus der die Hände ragen. Wir freuen uns über diese Erinnerung für Zuhause.
Das Highlight der Reise – Dinner im Restaurant Nolla
Nun geht´s erstmal nach Hause für eine Pause vor dem nächsten Programmpunkt: Unser Gewinngutschein für ein Dinner soll am vorletzten Abend als krönender Abschluss eingelöst werden.
Unsere stellvertretende Bundes- und Schleswig-Holsteins Landesvorsitzende Marianne – vielen Dank, Marianne! – hatte sich erinnert, dass ich kein Fleisch esse und im Vorstand abgestimmt, dass wir uns statt des Muré ein anderes Restaurant aussuchen dürfen. Nach längerer Recherche im neuen Helsinki-Reiseführer von März 2026 ist es das Nolla in der Fredrikinkatu geworden. Das Konzept, ethische und ökologische Aspekte einzubeziehen, möglichst regionale, fair erzeugte Zutaten zu verwenden und möglichst nichts wegzuwerfen, deshalb Nolla, hat uns überzeugt. Auch die Fotos im Internet haben uns gefallen, keine weißen Tischdecken, schöne Einrichtung – und hundefreundlich – Herz was willst zu mehr.
Der erste Eindruck bestätigt das. Wir werden sehr freundlich empfangen und zum reservierten Tisch geleitet. Nellie fühlt sich auf Anhieb wohl und schläft, nachdem sie ihr mitgebrachtes Essen verputzt hat.
Nach der Erklärung der Bedienung entscheiden wir uns für das 4-Gänge-Menü. Eine sehr gute Wahl, wie sich herausstellt. Dazu gibt eine Flasche Wasser und je ein finnisches alkoholfreies Bier, meins von der Fiskars-Brauerei. Schon die erste Vorspeise überzeugt:
Erste Vorspeise: Marinated cherry tomatoes crayfish gazpacho and raspberries
Die Gazpacho hat einen feinen fruchtigen Tomatengeschmack mit einem würzigen Kontrast. Dazu gibt es das selbstgebackene Sauerteig-Brot mit delikatem Aufstrich als Gruß aus der Küche. Ein rundum gelungener Auftakt!
Zweite Vorspeise: Corn custard forest mushrooms, and spent coffee
Die zweite Vorspeise ist eine Polenta mit Wildpilzen und Wildpilzmousse. Eine Umami-Geschmacksexplosion, die wir langsam genießen – fantastisch, das geben wir auch gleich weiter auf die Frage hin, wie es uns geschmeckt hat.
Zum Glück gibt es zwischen den Gängen kleine Pausen.
Wir haben beide das vegetarische Hauptgericht gewählt:
Roasted courgette stuffed courgette flower, and fig leaf pil-pil
Dazu gibt es als Gruß aus der Küche einen Teller mit Gemüse- und Pilzproben, die auf die unterschiedlichste Weise zubereitet sind: gebraten, gedünstet, gegrillt, fermentiert, sauer eingelegt oder frisch wie die rötlichen Blätter: Shiso, wie wir auf Nachfrage erfahren.
Die geröstete Zucchini und die Zucchiniblüte mit Pilipili schmeckt genial, erstaunlich, wie vielfältig Gemüse schmecken kann. Die unterschiedlichen Geschmacksnoten der Proben sind ebenfalls faszinierend und sehr schmackhaft.
Als Dessert gibt es Brown butter ice cream, crispy waffle and caramelised pineapple
Die Waffelherzen sind aus Resten des Brotteigs gemacht und schmecken etwas herzhaft vorzüglich zu dem süßen Eis und der karamelisierten fruchtigen Ananas.
Wir finden, die Michelin-Sterne und die zwei weiteren Auszeichnungen hat das Nolla sehr zu recht erhalten und freuen uns sehr über diese außergewöhnliche Essenserfahrung. Kiitos paljon DFG!
Und wärmste Empfehlung für alle, die in Helsinki richtig gut in toller Atmosphäre essen gehen wollen.
Foto: Kerstin Hamann
Eigentlich wollten wir, wie die Familie am Nebentisch, den Kellner bitten, ein Foto von uns beiden bzw. dreien zu machen – und haben es vor lauter Begeisterung vergessen. Als wir auf dem Nachhauseweg an ‚unserem‘ Park voreikommen, ist dort Sommerabendleben.
Mittwoch, 02.09.2026 – letzter Tag und Abreise
Letzter Tag vor der Abfahrt, es wird Zeit, die Lebensmittel einzukaufen, die ich mitnehmen wollte, z.B. 10 Rollen Kantolan kaurakeksi, die Lieblingskekse der Kieler Enkel (und meine), Ruisleipä, Aura-Blauschimmelkäse, grob gemahlenen Kardamom, Senf etc. Am Hietelahdentori ist ein S-market, dort gehen wir hin. Der Flohmarkt findet nun nur noch am Wochenende statt. Wir werfen einen Blick in die Markthalle. Da hier nur noch Restaurants sind, darf Nellie mit.
Nachmittags will ich einen weiteren HDW-Meeting point besuchen, dieser ist im botanischen Garten. Hier ist das von Matti Suuronen 1968 entworfene ‚Futuro‘-Haus aufgebaut – in Kooperation mit Marimekko. Ich stelle mich an, um es von innen zu sehen. Dort finden sich Marimekko-Designs.
Der botanische Garten ist sicher einen eigenen Besuch wert, leider dürfen Hunde nicht hinein.
Auf dem Weg nach draußen sehe ich einen Schmetterling auf einer Blüte – und auf der Nase eines freundlichen Löwen.
Am nächsten Meeting-Point, dem Streetkitchen-Wildpilzstand in der Aleksanterinkatu ist auch etwas los, aber ich muss noch Muminsocken für fünf Enkel besorgen und gehe weiter. Ich bekomme die Socken im Moominshop an der Pohjois Esplanadi.
Später machen wir einen Abschiedsspaziergang über den Friedhof und finden die Gräber von Topelius und von Tove Jansson.
Wir hoffen, dass das urige Café im Venetsiahaus und die anderen Angebote des Lapinlähde bleiben. Leider sehen die Pläne der Stadt anders aus.
Abends beginnen wir mit dem Packen und ich hole das Auto schon mal vor die Tür, als dort ein Parkplatz frei wird.
Donnerstag, 03.09.2026
Morgens wird der Rest gepackt und sauber gemacht. Wir beenden unsere Helsinki-Reise, wie sie angefangen hat: in Herttoniemi mit einem Besuch des Vege Café Verso – wie immer leckerer Mittagstisch und einem allerletzten Besuch im S-Market.
Bevor es in Vuosaari auf die Fähre geht, machen wir in Herttoniemi einen Spaziergang im angrenzenden Wald und kommen am Liikuntapuisto vorbei, der von Schulklassen genutzt wird.
Freitag, 04.09.2026
Anders als bei der Hinfahrt ist der Seetag stürmisch, so dass wir das Außendeck wenig nutzen können. Dafür wird der Strömsö-Pullover fertig.
Ich wärme mich in der Sauna auf. Auf dem Hundedeck erzählt mir eine Schweizerin, die seit 24 Jahren mit einem Finnen verheiratet ist und jedes Jahr den Sommer auf einer Insel vor Turku verbringt, dass die Finnlines-Fähren 2028 durch neue und größere ersetzt werden. Ich mache sicherheitshalber jetzt schon Fotos, ich mag die Fähren.
Samstag, 05.09.2026 – Ankunft mit passendem Ausklang
Wieder in Kiel, um 16:30 Uhr kommen die Musiker*innen des Trios Ylva Haru. Wir erzählen vor dem Konzert beim Essen. Ich habe Currys bestellt, nachdem wir in Helsinki so viele junge Leute in asiatischen Restaurants gesehen haben. Ylva hat in Herttoniemi gewohnt und kennt und mag das Vege Café Verso. Mathias erkennt die Straße in Kallio, wo er wohnt, auf einem meiner Leinwände, die im Gemeindehaus hängen, Petri die Stadtbibliothek seines Wohnorts Oulu.
Am Abend gibt es ein magisches Konzert mit Standing Ovations am Schluss. Ein sehr schöner Ausklang der Finnlandreise.
Text und Fotos: Alexandra Mahler-Wings
Bisher erschienen:
Helsinki-Reise im Spätsommer 2026 – Teil 1
Helsinki-Reise im Spätsommer 2026 – Teil 2
Helsinki-Reise im Spätsommer 2026 – Teil 3
Alexandras Veranstaltung beim DFG-Kochmarathon: Finnische Bilder und Aromen
























































