Helsinki-Reise im Spätsommer 2026 – Teil 3
In Finnland hat man die Natur nahezu überall direkt vor der Haustür. Im dritten Teil des Reiseberichts anlässlich des DFG-Kochmarathon-Hauptgewinns nimmt Alexandra uns mit auf interessante Spaziergänge in einem Nationalpark, auf der Insel Seurasaari und der neuen Kruunuvuorensilta:
Donnerstag, 27.8.2026: Sipoonkorpi-Nationalpark
Gestern ging es auf die Insel, heute raus auf´s Land in die Natur. Wir fahren zum Sipoonkorpi-Nationalpark. Ich kenne ihn noch nicht, er ist wie der Nuuksio-Nationalpark schnell von Helsinki aus zu erreichen – und man soll dort gut Beeren sammeln können. Wir steuern den Parkplatz beim Café Kuusijärvi an. Als wir ankommen, hängt noch leichter Nebel über dem Kuusijärvi. Wir sind nicht die ersten, die Morgenstimmung über dem See ist traumhaft.
Spielplatz, Umkleidekabinen, Schwimmstege, Picknickareale, Saunen, auch eine Rauchsauna, und das urige Café mit Lounas – heute gibt es das traditionelle Donnerstagsessen: Erbsensuppe und Pfannkuchen mit Marmelade – hier gibt es alles, was das Herz in der Freizeit begehrt.
Wir beschließen, ein Stück am See entlang zu wandern. In den Bäumen sind die ersten Herbstfarben zu sehen, die Enten nehmen ein Bad.
Als wir dem Weg ein Stück in den Wald folgen, treffen wir auf einen königlichen Picknickplatz, auf dem ein Gedenkstein an das Picknick im Jahr 1775 (!) steht.
Wir setzen uns auf die Bank und genießen die Stille und den Geruch des Waldes. Um den Platz herum finde ich Blaubeeren und sammle eine Schale zusammen.
Der Weg führt weiter in Richtung einer Brücke, am Geländer sind Tiere des Waldes dargestellt.
Wir gehen an der anderen Seite des Sees zurück und kommen an die Feuerstelle bei den Badestegen. Dort raucht es bereits: wo eine Feuerstelle ist, da ist auch ein Finne, der Feuer macht.
Nach dem Spaziergang genießen wir einen Kaffee und eine Pilzpiirakka auf der Terrasse des Café Kuusijärvi. Danach mache ich es einigen Finn*innen nach, die schon im Wasser sind, und gehe schwimmen. Das Wasser des Sees ist herrlich weich und kühl, aber noch nicht zu kalt. Wir haben den Ausflug in die Natur sehr genossen. Bei mir hat er das Lapplandfieber geweckt.
Freitag, 28.8.2026: Seurasaari und Töölöntori-Beeren
Am Freitag geht es auch auf eine Insel, diesmal über eine Brücke zu erreichen. Wir wollen Seurasaari mit dem Freilichtmuseum besuchen. Der Bus fährt bei uns um die Ecke ab bis vor die historische Brücke. Sie wurde zwar vergrößert, aber im originalen Design erhalten. Das grüne Türmchen ist tatsächlich eine Telefonzelle.
Wir laufen an der Stadtseite bis zur Südspitze und an der Ostseite zurück. Auch hier genießen wir den Geruch des Waldes, die Ruhe und die Ausblicke.
Kerstin klettert auf die Felsen. Die alte Kirche war ein Foto wert.
Im Hintergrund ist die Stadt zu sehen – und anders als am Vortag zu hören.
Nachmittags fahre ich mit Nellie zum Töölöntori. Er ist von hier aus mit der Tram 8 gut zu erreichen, allerdings nur bis 30.August. Ab 31.8. ist die Strecke gesperrt wegen des Baus der Western light railway, wie die Durchsage verkündet. Ich bekomme Moltebeeren, dieses Jahr ziemlich teuer, Blaubeeren und Preiselbeeren, außerdem finnische Erdbeeren fürs Frühstück.
Letzter Programmpunkt heute ist ein Besuch im 7 Minuten zu Fuß entfernten HAM – Helsinki Art Museum. Nellie bleibt bei Kerstin zuhause. Im HAM ist ein Raum eingerichtet, in dem mitgewebt werden kann, einige sind am Werk. Ein Mädchen fragt seinen Vater, ob sie auch bestimmt die nächsten Tage jeden Tag wiederkommen können. Ich nehme ebenfalls drei Wollfäden und webe sie ein. Die konzentrierte Tätigkeit mit den Händen lässt zur Ruhe kommen.
Abends werden die selbstgepflückten und die gekauften Mustikka eingekocht, ebenso die Lakkabeeren. Die Preiselbeeren können so mit nach Hause.
Samstag, 29.8.2026: Kulosaari und Kruununvuorensilta am Luonnon päivä
Kerstin will heute zur und über die neue Brücke, die Kruununvuorensilta laufen. Da Nellie nicht mehr so weit laufen kann, gucke ich mir auf dem Plan an, von wo aus man einen guten (Foto-)Blick auf die Brücke hat. Wir fahren mit Tram und Bus nach Kulosaari.
Ich laufe mit Nellie durch den Eugen-Schauman-Park Richtung Wasser. Wir kommen an der Kirche mit dem separaten Glockenturm vorbei.
Weiter unten ist der Park auf beiden Seiten von schönen Häusern eingerahmt. Am Wasser steht ein imposantes Gebäude, fast wie eine Burg.
Auf der Bucht kommt grade eine Kanugruppe unter der weißen Brücke durch. Schon als ich den Park sah, habe ich mich erinnert. Im August 2019 war ich mit Niels-Peter hier auf unserer Fahrradtour an der östlichen Küste von Helsinki, Nellie im Korb.
Auf dem Eastern waterfront Trail sind wir über Kulosaari gefahren und haben in eben dieser Bucht am Park Pause gemacht. Eine gute Erinnerung.
Am Rand der Bucht liegt das Casino, heute Restaurant. Wenn man drum herum geht, öffnet sich der freie Blick auf die Kruununvuorensilta, leider heute nicht in der Sonne.
Zurück geht es mit Bus und Metro bis Hakaniemi. Auch Unterführungen können schön gestaltet sein, wie diese hier in Kulosaari.
In Hakaniemi mache ich Pause im Marktcafé, nachdem ich eine selbstgebackene Pilzpiirakka gekauft habe, ein Toscakuchen kommt später dazu. Das Omenapulla ist schon gegessen 🙂 Es gibt natürlich auch hier Beeren.
Ab Sonntag ist Regen angesagt, daher mache auch ich mich heute noch einmal zu Fuß auf den Weg zur Brücke, hin mit dem Schiff, Kerstins Weg umgekehrt. Ich fahre mit der Tram bis zum Dom und laufe von da bis zum Fähranleger für die HSL-Linie 17, sie fährt vom Meritullintori. In der Stadt brummt und summt Sommerabendabschiedsstimmung. Ich stelle mich an.
Von der Fähre aus hat man einen schönen Blick auf Katajanokka …
…und die Innenstadt.
Vom Wasser aus öffnet sich der Blick in die Kulosaari gegenüberliegenden Richtung zur Brücke, leider immer noch bei bewölktem Himmel.
In Kruununhaka findet ein Venetsialaiset-Event statt, ohne Feuer, dafür mit Ponyreiten. Und am Weg zur Brücke findet sich ein Kunstwerk.
Auf der Brücke selbst ist auch eine ganze Menge los. Sie wird offensichtlich von den Helsinkiern angenommen. Die größte Brücke Finnlands ist nur für Fußgänger, Fahrräder und die Tram zugelassen.
Der Fußweg zieht sich ganz schön, da es noch über Korkeasaari und Palosaari geht. Es ist unglaublich, was für Stadtviertel in den letzten 12 Jahren, seit ich Helsinki kenne, entstanden sind. Und „nebenbei“ Brücken, Fahrrad- und Fußwege und neue Tramlinien.
Mir ist vormittags schon aufgefallen, dass überall geflaggt ist. Ein Blick ins Internet zu den Liputuspäivät verrät, warum: der letzte Samstag im August ist der Tag der Natur in Finnland – Luonnon päivä.
Abends merken Kerstin und ich die langen Wege. Ein improvisiertes warmes Abendessen mit einem Schluck Rotwein schmeckt umso besser.
Text und Fotos: Alexandra Mahler-Wings
Fortsetzung folgt! In Teil 4 steht ganz viel finnisches Design auf dem Programm, das Dinner im Rahmen des DFG-Kochmarathon-Hauptgewinns und als krönenden Abschluss das Konzert von Ylva Haru gleich nach der Ankunft in Kiel.
Bisher erschienen:
Helsinki-Reise im Spätsommer 2026 – Teil 1
Helsinki-Reise im Spätsommer 2026 – Teil 2
Alexandras Veranstaltung beim DFG-Kochmarathon: Finnische Bilder und Aromen























































