POTPURI – interkulturelle Impressionen aus Turku: Wenn die Nächte Feuer fangen
„Muinaistulien yö“ und die finnischen „Venetsialaiset“
– ein Blogbeitrag von Birgit Griese-Saarinen
Ende August wird es an Finnlands Küsten noch einmal richtig festlich. Wenn der Sommer langsam Abschied nimmt, werden an den Stränden und auf den Inseln Feuer entzündet, Laternen aufgestellt und manchmal ganze Uferlinien von warmem Licht erhellt. Jeweils am letzten Samstag im August – dieses Jahr also am 29.8. – ist Muinaistulien yö, die „Nacht der alten Feuer“.
Der Name klingt geheimnisvoll – und tatsächlich steckt dahinter eine alte Tradition. Die Feuer erinnern an die sogenannten Signal- oder Kettenfeuer, die früher entlang der Küste entzündet wurden. Von Feuer zu Feuer konnten Nachrichten über große Entfernungen weitergegeben werden. Die Feuer dienten als Orientierung für Seefahrer und signalisierten u.a. sichere Häfen und Anlegestellen. Heute werden sie als symbolische Erinnerung an diese maritime Vergangenheit entzündet.
Was einst also eine praktische Funktion hatte, ist heute vor allem ein stimmungsvoller Brauch: Man versammelt sich mit Familie und Freunden am Wasser, isst, trinkt, plaudert und genießt gemeinsam die vielleicht letzten warmen Sommerabende.
Besonders schön ist der Moment, wenn es dämmert. Das Meer wird dunkler, am Horizont verschwimmen Himmel und Wasser – und plötzlich leuchtet irgendwo das erste Feuer auf. Dann folgen weitere. Ein bisschen mystisch, ein bisschen romantisch und sehr finnisch.
Warum heißt das Ganze auch „Venetsialaiset“?
Die Bezeichung „Venetsialaiset“ ist eingefinnischt und wird heutzutage vielfach verwendet. Sie stammt ursprünglich aus dem schwedischsprachigen Ostbottnien und kann als „Venezianische Nacht“ übersetzt werden. Sie verbreite sich also vor allem an der westlichen und südwestlichen Küste– also in Gegenden, in denen die schwedischsprachige Bevölkerung traditionell stark vertreten ist. Mittlerweile wird dieser Begriff in vielen Teilen Finnlands verwendet.
Neben Lagerfeuern kommen heutzutage auch viele Lichterketten, Fackeln oder sogar Feuerwerk zum Einsatz. Aber was hat diese Lichttradition mit Venedig zu tun? Eine verbreitete Erklärung ist, dass sie auf die venezianischen Lichterfeste zurückzuführen ist. Die Lichter am Wasser erinnerten an die nächtlich beleuchtete Lagunenstadt.
Muinaistulien yö klingt nach Geschichte, alten Küstenfeuern und nordischer Vergangenheit.
Venetsialaiset klingt dagegen nach Italien, Lichtern, Sommernacht und einem Hauch von Dolce Vita.
Gemeint ist aber dasselbe Fest. Man sitzt zusammen, schaut auf die Flammen und weiß: Die dunkleren Abende kommen. Aber heute Nacht gehört die Küste noch einmal dem Licht. Ein schöner Anlass, den Sommer ein letztes Mal mit etwas Wehmut zu feiern – bevor Finnland wieder langsam in den Herbtmodus übergeht.
Text und Foto (KI-generiert): Birgit Griese-Saarinen











