Foto des Monats: Der richtige Augenblick

Das Foto des Monats stammt von Beate und zeigt ein wunderbares Kunstwerk auf dem Wasser, das nur die Natur derart gestalten kann. Dazu berichtet Beate folgendes:

„Das Wetter hat keine Geschwister“, sagte einst eine betagte Finnin zu unseren Freunden. Wie sehr das zutrifft, zeigt jedes Jahr der Juni, wenn die Kiefern blühen. Mal wird alles im Freien Befindliche nur sanft bestäubt, mal lagert sich der Pollen überall als dicke, fast klebrige Schicht ab. Hier spricht der Waldfachmann dann von Mastjahren. D.h. Kiefern und andere fruchttragende Waldbäume produzieren mehr Früchte als üblich und setzen damit eine Kaskade an Veränderungen im Wald frei. Klimatische Veränderungen, insbesondere ein Ansteigen der Temperaturen kann für das vermehrte Auftreten von Mastjahren verantwortlich sein, aber ebenso die höhere Stickstoffablagerung aus der Luft kann dazu beitragen.

Aber nach einiger Zeit hat dieser vermehrte Pollenflug einen malerischen Nebeneffekt: Kommt vormittags ein leichter Wind aus der richtigen Richtung – das bedeutet bei uns aus Nordost – dann bildet sich am Ufer unserer Bucht eine bogenförmige hellbeige Schicht, manchmal kompakt, an manchen Stellen aber auch mit wunderbaren Formen.

Die Herausforderung besteht darin, nah genug an die Motive heranzukommen, denn das Ufer ist durch heftige Stürme mittlerweile recht unterspült und die hohen Grasbüschel verhindern, dass man rechtzeitig erkennt, wo man noch festen Grund unter den Füßen, sprich: Stiefeln, hat. Denn eines geht gar nicht, nämlich dass man mit den Stiefeln ins Wasser geht, um der Wasserkunst näher zu kommen: man würde durch die Wasserbewegung zerstören, was man fotografieren möchte.

Meist ist die wundersame Uferkunst nach ca. ein bis max. zwei Stunden zu Ende, nämlich dann, wenn der Wind naturgemäß im Laufe des Morgens stärker wird.

 

Text und Fotos: Beate Erwien-Schrotmann