Deutsch-Finnischer Hafentag – das maritime Davos
Ende Oktober fand bereits zum 11. Mal der Deutsch-Finnische Hafentag in Lübeck statt. Mit 15 Häfen waren die wichtigsten Player des maritimen Sektors in der Musik- und Kongresshalle der Hansestadt vertreten. Bei der Abendveranstaltung verfolgten rund 400 Gäste aus der maritimen Wirtschaft, der Logistik, der Politik und der Diplomatie fachkundige Vorträge und die Podiumsdiskussion. Veranstalter des alljährliche Treffens sind der Honorarkonsul von Finnland, Bernd Jorkisch, die Lübecker Hafengesellschaft sowie die Hansestadt Lübeck.
Zukunftsregion Ostseeraum
In seiner Begrüßungsrede hob der Honorarkonsul von Finnland und Doyen in Schleswig-Holstein, Bernd Jorkisch, die Bedeutung der Ostseeregion als Wirtschaftsraum hervor. Das bilaterale Handelsvolumen Deutschlands mit den USA betrug in 2025 etwa 241 Mrd. Euro und mit China etwa 253 Mrd. Euro. Das gesamte Handelsvolumen Deutschlands mit den Ostseeanrainerstaaten beläuft sich aktuell sogar auf 341 Mrd. Euro. Damit ist dieser Wirtschaftsraum für Deutschland als Handelspartner zusammengerechnet bedeutender als die beiden größten Einzelvolkswirtschaften der Welt. „Der Ostseeraum ist eine Zukunftsregion, sozusagen die Hanse des 21. Jahrhunderts“, stellte Bernd Jorkisch fest.
Sicherheit geht vor
Der Botschafter von Finnland in Berlin, Kai Sauer, sprach über die erschwerten Bedingungen des Wirtschaftsraumes Ostsee. Um die Sicherheit gewährleisten zu können, identifizierte der Botschafter drei Kernpunkte aus der Sicht der Logistik:
- Smart & Independent – es muss ein gemeinsames Datennetz für den gesamten Wirtschaftsraum entwickelt werden, um die Sicherheit und vor allem auch die Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft gewährleisten zu können.
- In der Ostseeregion herrschen teilweise extreme Wetterbedingungen, die jedoch kein Hindernis für die Schifffahrt darstellen dürfen. Hier kann das bereits vorhandene Knowhow gut eingesetzt werden, wie beispielsweise das Bauen von leistungsstarken Eisbrechern.
- Auf, unter und an der Ostsee ist viel elementar wichtige Infrastruktur vorhanden, die man besser vor Sabotage schützen muss.
Das Finnlandbild hat sich im Laufe der letzten Jahre stark von eher weichen Themen wie Bildung, Kultur und Sauna in Richtung Resilienz und militärische Abschreckung verschoben. „Finnland kann für Deutschland gute Konzepte und Lösungen anbieten“, sagte der Botschafter. Die aktuellen Herausforderungen können nur gemeinsam mit den Partnern gemeistert werden, daher sind Veranstaltungen wie der Deutsch-Finnische Hafentag, der sich lt. Kai Sauer zu einem regelrechten „maritimen Davos“ entwickelt hat, von eminenter Bedeutung.
In weiteren Redebeiträgen kamen Themen wie Bedeutung der Häfen in der Konfliktzone Ostsee, Hinterlandverkehr, Investitionsprogramme für bessere maritime Brücken im Schiffverkehr, Bedeutung des Zusammenhalts im Ostseeraum und wie man die Probleme auf der Basis einer demokratischen und europäischen Wertegemeinschaft lösen kann, zur Sprache.
Ostseeraum verwundbarer geworden
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die von Sebastian Reimann, Chefredakteur Deutsche Verkehrs-Zeitung (DVZ) moderiert wurde, sprachen Dr. Jan Feller, Geschäftsführer der Deutsch-Finnischen Handelskammer, Uwe Bakosch, Geschäftsführer der Finnlines Deutschland GmbH, Jan Lindenau, Bürgermeister der Hansestadt Lübeck und Konteradmiral Richard Kesten, Chef des Stabes Marinekommando Rostock über aktuelle Herausforderungen.
Als Fazit kann man feststellen, dass der Ostseeraum mit seiner modernen und dringend benötigten Infrastruktur verwundbarer geworden ist. Deshalb sollte die Sicherheit sowohl in den Anrainerstaaten als auch auf See nach finnischem Vorbild, des sogenannten umfassenden Sicherheitskonzepts, als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet werden und nicht nur als Pflicht der Politik und des Militärs. Sowohl der Konteradmiral Richard Kersten als auch Bürgermeister Jan Lindenau haben bestätigt, dass sich die Kooperation zwischen den Behörden, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft verbessert hat und die Kompetenzen der Wirtschaft bereits besser zunutze gemacht worden sind.













