Ursprung der finno-ugrischen Sprachen doch nicht im Ural?

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Wurzeln der finno-ugrischen Sprachen viel weiter im Osten liegen als bisher angenommen.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern um den amerikanischen DNA-Experten David Reich hat frühzeitliche DNA-Proben aus Sibirien analysiert. Die neu gewonnenen Proben wurden mit umfangreichem, bereits vorhandenem Material verglichen, das mehrere Kontinente und etwa 11.000 Jahre menschlicher Geschichte abdeckt. Die Studie legt die Vermutung nahe, dass die Vorfahren der heutigen Populationen, die finno-ugrische Sprachen wie Finnisch, Estnisch oder Ungarisch sprechen, vor mehr als 4 500 Jahren im Nordosten Sibiriens, in Jakutien lebten. Die Region liegt näher an Alaska oder Japan als an Finnland!

Unter den Linguisten und Archäologen gab es bereits unterschiedliche Meinungen zum Ursprung der Uralischen Sprachen. Die vorherrschende Theorie besagt, dass sie sich aus dem namensgebenden Uralgebirge in Richtung Westen ausgebreitet haben. Eine Minorität, die auch Sprachen aus der türkischen und mongolischen Sprachengruppe einbezieht, geht jedoch davon aus, dass der Ursprung noch weiter im Osten liegt.

Nach neuesten DNA-Analysen zeigen sich genetische Verbindungen zu Jakutien auch in Gruppen hypermobiler Jäger und Sammler. Man geht davon aus, dass sie die uralischen Sprachen zu den indigenen Samen Nordskandinaviens verbreitet haben. Ungarn weiter im Süden bildet allerdings heute eine Spracheninsel, die von indoeuropäischen Sprachen umgeben ist.

Frühere Studien haben gezeigt, dass Finnen, Esten und andere Bevölkerungsgruppen, die zu den Uralischen Sprachen zählen, eine ost-eurasische genetische Prägung besitzen. Die neue Studie beweist nun, dass der Anteil der „Urgene“ aus Jakutien bei den einzelnen Bevölkerungsgruppen sehr stark variiert. Bei den heutigen Esten sind es noch zwei Prozent, bei den Finnen 10 Prozent. Die Ungarn dagegen haben sie fast völlig verloren.

 

 

 

Quelle: The Harvard Gazette

Beitragsfoto: Der Fluss Lena in Jakutien/Sibirien (Pixabay)