Foto des Monats – Der Dom zu Tampere
Das Foto des Monats Februar stammt von Beate und zeigt den wunderschönen Dom von Tampere. Über ihre Eindrücke vom Besuch des Doms berichtet Beate folgendes:
Der Dom von Tampere ist ein Meisterwerk der finnischen Nationalromantik bzw. des Jugendstils. Entworfen wurde die Kirche vom Architekten Lars Sonck und zwischen 1902 und 1907 errichtet.
Von Hand erbaut
Der Bau des Doms Ende des 19. Jahrhunderts fiel in eine Zeit, in der Finnland die Unabhängigkeit vom Russischen Reich anstrebte. Als Ausdruck des aufkeimenden Nationalgefühls sollte sämtliches Baumaterial aus Finnland stammen: die grau-blauen Granitsteine aus der Region Uusikaupunki wurden mithilfe von Pferden herangeschafft und von ansässigen Bauarbeitern ohne Hilfe von Maschinen verarbeitet.
Die Kirche wurde also wortwörtlich von Hand erbaut! Fichten- und Birkenholz aus den finnischen Wäldern bildeten das Material für die Kirchenbänke, die Platz für 2.000 Besucher bieten.
Die detailfreudige Ornamentik des Doms von Tampere hat ihre Vorbilder in der Flora und Fauna Finnlands. Und nicht zuletzt die imposante, im Jahr 1906 errichtete Orgel wurde in Finnland gefertigt und gilt heute als schönste Orgel der finnischen Romantik. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt zudem an einigen Stellen kleine, gemalte Spinnen: Die finnische Bezeichnung für Spinne, „Ristilukki“, war damals gleichzeitig der Titel eines Protestliedes gegen Russland.
Prächtige Malereien
Als die Kirche im Jahr 1907 eingeweiht wurde, sorgten die prächtigen Wand- und Deckenmalereien für einen handfesten Skandal. Die finnischen Künstler Magnus Enckell und Hugo Simberg nutzten die absolute Freiheit, die ihnen bei der Gestaltung der Innendekoration gewährt wurde und entschieden sich für eine unkonventionelle Bildsprache.
Heutzutage gelten die Malereien im Dom von Tampere als Meisterwerk der finnischen Symbolkunst und als bedeutendes Stück der Kulturgeschichte Finnlands. Rätselhaft ist die ungewöhnliche Bildsprache aber nach wie vor: Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem „verwundeten Engel“?
Und wieso sind so viele der Figuren nackt? Besonders bemerkenswert ist das Fresko „Die Girlandenträger“ Es verläuft entlang der Galeriebrüstung und zeigt zwölf nackte Jungen, die eine Girlande aus Rosen tragen. Mir persönlich fiel dazu ein: Jeder trägt die Bürde des Lebens auf seine Weise.
Vor vielen Jahren hatten wir das Glück, einen italinischen Organisten bei seiner Probe für das Orgelfestival zu hören. Er spielte „ Pièce Heroïque“ von César Franck – welch ein Erlebnis! Wir werden diesen wunderbaren Dom, den wir zu Orgelklängen erleben durften, auf immer in unseren Herzen bewahren.
Text und Fotos: Beate Erwien-Schrotmann
Hugo Simberg
Der Maler und Grafiker Hugo Simberg (1873-1917) gehört zu den bekanntesten Künstlern des Goldenen Zeitalters der finnischen Kunst. Er brachte den Symbolismus in die finnische Kunstszene und experimentierte mit verschiedenen europäischen Kunstrichtungen des frühen 20. Jahrhunderts.
Der verwundete Engel – Haavoittunut enkeli
Eines seiner bekanntesten Werke ist der verwundete Engel, der auch als großformatiges Freskogemälde im Dom von Tampere zu sehen ist. Hugo Simberg hat seinen Werken niemals einen Namen verliehen, diese wurden den Werken später zugewiesen. Er hat sie auch nicht erklärt, denn für ihn war es wichtig, dass das Betrachten seiner Werke ein Gefühl welcher Art auch immer bei den Menschen hervorrief.
Der verwundete Engel soll Simbergs Genesung nach einer langwierigen Hirnhautentzündung in den Jahren 1902/03 darstellen. Er empfand seine Genesung als ein Wunder und eine Art Wiedergeburt. Der Engel soll die Zerbrechlichkeit des Lebens und der Wunschträume symbolisieren. Der schwarz gekleidete vordere Träger könnte den Tod darstellen, der hintere wiederum den ganz „normalen“ Menschen, den die Thematik des Werkes jederzeit betreffen könnte.
Die Girlandenträger – Köynnöksenkantajat
Das zweite große Freskogemälde des Doms, die Girlandenträger, malte Hugo Simberg in den Jahren 1905/06. Das insgesamt 52 m lange Fresko, das fast den gesamten Kirchsaal umringt, zeigt 12 nackte Jünglinge, die eine Rosengirlande tragen. Die Anzahl 12 könnte ein Hinweis auf die 12 Apostel sein. Aber aufgrund der unterschiedlichen Positionen und der Art, die Girlande zu tragen, könnte es sich auch um die verschiedenen Einstellungen der Menschen handeln, wie sie ihr eigenes Leben bewältigen. Für den einen ist das Leben eine Leichtigkeit, für den anderen eine große Last. Einer hält inne, um etwas Schönes aufzuheben, ein anderer überlegt, warum er das eigentlich macht.
Die Nacktheit rief anfangs eine große Empörung hervor und man verlangte sogar, dass die Jungen eine Verhüllung erhalten sollten. Die Mehrheit des Publikums stand dem Werk jedoch sehr positiv gegenüber. Aus der heutigen Sicht könnte man die Frage stellen, wer seiner Zeit voraus war, der Künstler oder das Publikum. Heute wäre es wohl undenkbar, nackte Kinder im öffentlichen Raum darzustellen.
Wir werden in Kürze eine Reihe zum Thema „Goldenes Zeitalter der Kunst Finnlands“ starten und die wichtigsten Künstler der Epoche vorstellen.












