Foto des Monats – die Gerandete Jagdspinne oder raitarannakki

Das Foto des Monats März zeigt eine Spinne am Ufer eines Sees in der Nähe von Ilomantsi. Beate hat sie mit ihrer Kamera eingefangen und berichtet darüber folgendes:

Die Jungen und Reste des Kokons

Es ist schon erstaunlich, was sich in unserem finnischen Paradies so alles an Tieren und Pflanzen findet, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht. Wie bemerkte ein Freund vor etlichen Jahren: „Bea, du siehst all das, an dem normale Menschen achtlos voreigehen.“ Daher legte ich mir vor vielen Jahren eine Datei an, in der ich mit Foto, teils aus dem Internet, alles auflistete, was mir begegnete. Da findet sich der plötzlich am Ufer vorbeischwimmende Biber genauso wie die Kreuzotter, auch Totenkopfschwärmer und Nashornkäfer sind zu finden – die Anzahl ist stattlich. Wie oft haben Tiere mich in ihrem Verhalten überrascht, z.B. die Strandschlange, die sich quasi „auf der Kante“ an den Ufergräsern entlangschlängelt – unglaublich!

Aber diesmal musste ich zweimal hingucken: eine bemerkenswert große Spinne samt kleinem Gespinst mit Gewimmel im Innern. Am Abend suchte ich ausführlich im Internet: nichts. Also gingen wir beim nächsten Einkaufsbesuch in die Bibliothek von Ilomantsi, zeigten auf dem iPhone diese nicht zu identifizierende Spinne und baten um Rat. Ehe wir uns versahen, kamen vier Damen aus einem Nebenraum, guckten sich das Foto an und meinten: „Klar kennen wir sie: die Strandspinne“. Auf die Frage, ob sie selten sei, erhielten wir die Antwort, nein, ganz gewöhnlich. Befriedigt verließen wir die freundlichen Damen.

Google hilft weiter

Als wir aber abends googelten, stellten wir fest, dass es nicht so einfach ist, zu entscheiden, welche denn nun exakt. Wir wälzten etliche wissenschaftliche Artikel, vergrößerten unsere Spinne und entschieden: es ist die „Gerandete Jagdspinne“ (Dolomedes fimbriatus). Das unendliche Gewimmel in dem Gespinst ist die nächste Generation. Die Gerandete Jagdspinne gehört zur Familie der Jagdspinnen (Pisauridae). Dolomedes-Arten jagen ihre Beute an Ufern stehender und langsam fließender Gewässer, auf der Wasseroberfläche oder auch unter Wasser. Sie lauern nachts in Wassernähe oder auf dem Wasser, halten dabei aber meist Kontakt zu festem Untergrund. Sie bewegen sich auf der Wasseroberfläche ebenso geschickt wie an Land und können an Strukturen auch unter Wasser laufen. Dank der dichten Körperbehaarung bildet sich unter Wasser durch Adhäsion eine Luftblase um den Hinterkörper.

Mit dieser Kenntnis konnte ich meine Liste am nächsten Tag um ein weiteres Exemplar ergänzen. Sie umfasst somit mittlerweile 73 Exemplare. – Welch ein Schatz!

 

Text und Fotos: Beate Erwien-Schrotmann

 

Danke, Beate, für diesen interessanten Einblick in die vielfältige Fauna Finnlands! Die raitarannakki oder oft einfach rantahämähäkki genannte Spinne gehört in der Tat zu den größten Spinnenarten in Finnland. Sie kommt in Feuchtgebieten, Sümpfen und allerlei Ufern im ganzen Land vor. Ein Weibchen kann eine Körpergröße von 22 mm erreichen (ohne Beine).