Das goldene Zeitalter – Hugo Simberg
In der Serie über das goldene Zeitalter der finnischen Kunst stellen wir hier Hugo Simberg vor. Als bildender Künstler war er neben Akseli Gallén-Kallela einer der bekanntesten Vertreter des Symbolismus. Sein bekanntestes Werk ist der verwundete Engel.
Hugo Gerhard Simberg wurde 1873 in Hamina geboren. Seine Eltern, Oberst Nicolai Edvard Simberg und Ebba Mathilda Widenius, hatten insgesamt neun Kinder. Darüber hinaus gehörten zur Familie noch vier weitere Kinder aus der ersten Ehe des Vaters sowie seine Schwester Alexandra Simberg. Alexandra unterrichtete die Kinderschar privat im eigenen Heim und war außerdem eine Hobbymalerin. Sie hat auch maßgeblich Hugos Entschluss beeinflusst, ein bildender Künstler zu werden.
Auf der Suche nach dem eigenen Weg
Als 15-jähriger begann er seine künstlerische Laufbahn in einer Schule für Zeichnen in Viborg, wohin die Familie umgezogen war. Sein Zwillingsbruder Paul kehrte 1893 zurück nach Helsinki, um ein Studium an der Technischen Hochschule zu beginnen und Hugo folgte ihm. Hugo begann ein Studium an der Schule des Kunstvereins von Finnland (Suomen Taideyhdistys) und wurde dort u.a. von Helene Schjerfbeck unterrichtet.
Seine frühen Werke zeigen bereits deutlich, dass er sich im Stil des Symbolismus wohl fühlte. Mit den damaligen Lehrmethoden kam er jedoch nicht zurecht, da er sich nicht mit den für ihn wichtigen Themen malerisch auseinandersetzen konnte. Deshalb nahm er kurz entschlossen Kontakt zu dem damaligen „Großmeister“ des Symbolismus, Akseli Gallén-Kallela, auf. Gallén-Kallela nahm Hugo Simberg 1895 bei sich in Ruovesi auf und so begann die wichtigste Phase seiner künstlerischen Entwicklung. Gallén-Kallela ermutigte Hugo Simberg, seinen eigenen Weg und Stil weiter zu verfolgen.
Welt der Träume und Sagen
Bereits im ersten Jahr seines Aufenthaltes malte er eines seiner bekanntesten Werke, Halla (Frost). In dem Gemälde sitzt ein seltsames Wesen auf einer Getreidegarbe und pustet kalte Luft. Das Werk gibt einen Einblick in die sonderbare Welt von Hugo Simberg, in der Träume und Sagen miteinander verwoben sind. Seine Werke sind häufig interpretiert worden und man hat in ihnen u.a. Hinweise auf klassische Sagen, biblische Geschichten und Märchen von Hans Christian Andersen gefunden.
Nach mehreren Auslandsreisen u.a. nach Paris, Italien und dem Kaukasus kaufte er sich 1899 sein erstes Atelier in der Rikhardinkatu in Helsinki. Dort konnte er in Ruhe arbeiten und nach und nach bekam er auch immer mehr Anerkennung für seine Werke.
Im Herbst 1902 erkrankte Simberg an einer Hirnhautentzündung, so dass er nahezu den ganzen Winter bettlägerig war. Nach seiner Genesung malte Simberg sein bekanntestes Werk, den verwundeten Engel. In einem Ausstellungskatalog hatte Simberg keinen Namen für das Werk angegeben, der wurde dem Bild erst nachträglich zugewiesen.
Der verwundete Engel
Als das Werk zum ersten Mal im Rahmen der Herbstausstellung des Ateneums in 1903 dem Publikum gezeigt wurde, wurde es begeistert aufgenommen. Simberg hat dafür den Staatspreis erhalten.: „Es scheint, als hätte ich eine Art „Grand Succès“ sowohl bei der Jury als auch unter meinen Künstlerkollegen errungen“, berichtete er in einem Brief an seine Schwester Blenda.
Bald danach musste er sich der größten Herausforderung seiner künstlerischen Karriere stellen: gemeinsam mit Magnus Enckel sollte er den von Lars Sonck entworfenen Dom zu Tampere mit großflächigen Fresken dekorieren. Enckel malte das Altarbild, Simberg die Fresken im Kirchsaal. Der Dom sollte im Sinne des damals beliebten Jugendstils ein Gesamtkunstwerk werden.
Das Thema des verwundeten Engels hat Simberg schon längere Zeit vorher beschäftigt und er hat viele Skizzen erstellt. Aber der Engel in der Gestalt eines jungen Mädchens und der Hintergrund, eine Landschaft im Eläintarha-Park an der Töölö-Bucht in Helsinki, blieben immer gleich. Das Fresco im Dom unterscheidet sich leicht von dem ursprünglichen Gemälde, das im Ateneum ausgestellt ist: die Wasserfläche ist größer und im Hintergrund sieht man zwei rauchende Schlote.
Der Engel wird nicht als ein überirdisches Wesen dargestellt, sondern sehr realistisch wie ein verletzliches, dem Schmerz und der fysischen Gewalt ausgesetztes junges Mädchen. Viele Kunsthistoriker sehen darin den seelischen Zustand des Künstlers während seiner langen Krankheitsphase. In 2006 erhielt das Werk den Titel „Das Gemälde unseres Landes“ (Maamme taulu) bei einer öffentlichen, vom Kunstmuseum Ateneum organisierten Abstimmung in Finnland.
Simberg heiratete 1910 Anni Bremer und sie hatten zusammen zwei Kinder, Tom und Uhra-Beata. Uhra-Beata Simberg-Ehrström wurde später bekannt als eine Kunsthandwerkerin für Wandteppiche (ryijy).
Quellen: Wikipedia, Suomen taide, Bd. 3 (WSOY)












