Finnlands Nationalparks – Koli
Koli gehört zwar zu den eher kleineren Nationalparks in Finnland, aber ist durch seine majestätischen Erhebungen und tiefen Schluchten einer der bekanntesten. Koli ist insbesondere durch den spektakulären Blick vom Ukko-Koli auf den Pielinen-See bekannt, den der finnische Künstler Eero Järnefelt bereits 1928 festgehalten hat.
Im Koli Nationalpark wechseln sich hügelige Landschaften, Urwälder und bunte Lichtungen ab. Wilde, unberührte Natur und bewirtschaftete Flächen stehen hier Seite an Seite. Die Region ist seit der Mitte des 18. Jahrhunderts bewohnt. Wälder wurden für Feld- und Weideflächen gerodet. Im Zuge der Landflucht im 20. Jahrhundert sind jedoch viele der ehemaligen Bauernhöfe verlassen worden und die Waldlichtungen begannen wieder zuzuwachsen. Für die Diversität der Natur sind diese Lichtungen jedoch sehr wertvoll und werden deshalb heute noch von staatlicher Seite gemäht und gepflegt, damit sie als Flächen für Pflanzen, Schmetterlinge und andere Insekten zur Verfügung stehen. Außerdem werden sie auch als Weideflächen für Schafe, Rinder und Pferde genutzt.
Felsformationen mit Geschichte
Den Untergrund der Region bilden die ältesten Felsformationen Finnlands, denn die Koli-Höhenzüge sind die Reste eines ehemaligen Faltengebirges. Vor etwa zwei Milliarden Jahren stießen hier zwei Kontinentalplatten zusammen und türmten sich zum Kareliden-Gebirge auf, das die Höhe der Alpen erreichte. Im Laufe von Jahrmillionen wurden die Spitzen durch Erosion und mehrere Eiszeiten abgetragen, so dass heute nur der Koli-Höhenzug mit der höchsten Erhebung Ukko-Koli (347 m) übriggeblieben ist.
Den Status als Nationalpark erhielt Koli in 1991. Mit 30 km² Fläche liegt Koli in Bezug auf die Größe im unteren Drittel der insgesamt 41 Nationalparks in Finnland. Zum Vergleich: der größte Nationalpark, Lemmenjoki, erstreckt sich über eine Fläche von 2858 km².
Wanderrouten für jeden Geschmack
Es gibt etwa 80 km ausgewiesene Wanderrouten, aus denen sich jeder die von der Länge und vom Schwierigkeitsgrad her passende Strecke aussuchen kann. Beispielsweise die 4,1 km lange „Kaskenkierros“ ist besonders für Familien mit Kindern geeignet. Die anspruchsvolle „Herajärven kierros“ mit bis zu 61 km Länge erfordert dagegen eine gute Kondition und mindestens eine Übernachtung, für die es allerdings mehrere Möglichkeiten gibt: von einem einfachen, offenen Unterstand (laavu), über einem Zelt oder einer gemieteten Hütte bis hin zu einem noblen Hotel ist alles vor Ort gegeben.
Es gibt im Koli Nationalpark keinen Winterdienst, aber auf den beliebtesten Strecken entstehen sehr schnell Trampelpfade, denen man folgen kann.
Erfahrungsbericht
Beate ist mit ihrem Ehemann Ulrich im Nationalpark Koli gewandert und berichtet hier über ihre Erfahrungen:
Was auch immer man über Nordkarelien liest, der Koli wird überall als das Highlight und ein absolutes Muss beschrieben. Der Ukko-Koli-Gipfel ist mit 347 m der höchste Gipfel in der südlichen Hälfte Finnlands und besteht größtenteils aus weißem Quarzitgestein. Die Umgebung des Gipfels hat sich im Laufe der Äonen ebenfalls verändert, weshalb sich im gesamten Gebiet Gesteinsfragmente abgelagert haben. Geologisch gesehen ist es der älteste begehbare Boden Kontinentaleuropas.
Auch als wir vor beinahe 30 Jahren das erste Mal nach Nordkarelien kamen, wanderten wir dort; denn auch uns lockte natürlich der tolle Ausblick auf den Pielinen. Und als uns 2014 unser britischer Freund besuchte, ging auch er mit mir dort auf „unsere“ Runde – er war restlos begeistert.
Unser Lieblingsweg galt schon damals dem Ukko-Koli, dem Akka-Koli und dem Paha-Koli. Und nicht zuletzt suchten wir die Stelle auf, von der aus das berühmte Järnefelt-Bild entstand. Der Blick von dem glatt geschliffenen Gipfel des Ukko-Koli gibt einen großartigen Blick auf den Pielinen frei: den viertgrößten See des Landes mit seinen zahlreichen kleinen Inseln.
Hinter dem Paha Koli geht man eine Zeit lang bergab bis sich eine große offene Wiese auftut, die im Sommer voller Blumen steht. Kurze Zeit später biegt ein Weg nach links ab, der zu einer weiteren Wiese führt. Diese steht im Juni voller Maiglöckchen.
Weiter geradeaus steht aber ein ziemlich steiler Anstieg an und man kommt an mehreren Aussichtspunkten vorbei. Hat man das Glück, die Bank zu erwischen, ist das eine gute Gelegenheit, mit bestem Fernblick eine Mittagspause einzulegen. Auf dem weiteren Weg bieten sich immer wieder großartige Ausblicke, wenn man ein wenig ins Gelände geht. Am Wegesrand Naturarrangements von besonderer Schönheit: grabsteinartige bemooste Findlinge unter Kiefern, ein Riesenfindling, der auf einem kleinen Findling liegt, der durch den Druck senkrecht gespalten war. Außerdem säumen herrliche Quarzstücke den Weg, der nach Ikolanaho führt. Von hier aus führt der Weg nach Mäkränaho und schließlich wieder zurück zum Ukko-Koli.
Wer diese wirklich bemerkenswerte Wanderung machen möchte, sollte das entweder Anfang Juni oder im September machen; denn dann hat man den Park beinahe für sich. Und nur dann kann man sich die wunderschönen Aussichtplätze aussuchen.
Beate Erwien-Schrotmann
Bisher veröffentlicht:
Nationalparks – Finnlands Naturparadiese
Finnlands Nationalparks – Pallas-Yllästunturin kansallispuisto
Finnlands Nationalparks – Pyhä-Luoston kansallispuisto
Finnlands Nationalparks – Hossan kansallispuisto
Finnlands Nationalparks – Oulangan kansallispuisto
Finnlands Nationalparks – Lemmenjoen kansallispuisto
Finnlands Nationalparks – Tiilikkajärven kansallispuisto
Finnlands Nationalparks – Riisitunturin kansallispuisto
Falls jemand eine Wanderung in einem finnischen Nationalpark unternommen hat, über den wir noch nicht berichtet haben und seine Erfahrungen auch mit anderen DFG-Mitgliedern und Finnlandfans generell teilen möchte, kann gerne einen Text mit ein paar Fotos an uns schicken. Wir veröffentlichen sie sehr gerne! Text und Fotos bitte an marianne.sinemus-ammermann[at]dfg-sh.de schicken.
Text Erfahrungsbericht und alle Fotos: Beate Erwien-Schrotmann














