Finnlands Nationalparks – Pyhä-Luosto

Im zweiten Teil der Serie stellen wir den Pyhä-Luosto Nationalpark vor. Dazu gibt es Erlebnisberichte unserer Mitglieder mit wunderschönen Fotos von diversen Besuchen sowohl im Sommer, als auch im Winter. Finnische Natur pur!

Den ursprünglichen Kern des Pyhä-Luosto Nationalparks bildet die südlichste Bergkette Finnlands, Pyhätunturi. Diese Region gehört zu der ältesten Generation der Nationalparks, die bereits 1938 gegründet wurden. In 2005 wurde dem Nationalpark um Pyhätunturi herum auf der nordwestlichen Seite das Luosto-Gebiet hinzugefügt. Mit 144 km² ist der heutige Pyhä-Luosto Nationalpark der neuntgrößte unter den insgesamt 41 finnischen Nationalparks.

Luosto ist für seine prächtigen, uralten Kiefernbestände bekannt. Die südwestlich vom Ukko-Luosto (514 m) gelegenen Wälder sind nahezu vollständig von Abholzung verschont geblieben, so dass man dort mehr als 400 Jahre alte Bäume findet. Die Region Pyhätunturi mit der höchsten Erhebung Noitatunturi (540 m) ist wiederum für die Kultur der Waldsamen und für die geologischen Besonderheiten bekannt. Die Bergkette bietet eine Vielzahl von baumlosen, flachen Berggipfeln, im Finnischen „kero“ genannt sowie tiefen, engen Tälern, auf Finnisch „kuru“.

Pyhä-Luosto ist ein Naturschutzgebiet mit etwa 100 km ausgewiesenen Routen für kurze und mehrtägige Wanderungen. Vom Pyhätunturi führt ein ganzjährig nutzbarer, etwa 35 km langer Wanderweg bis zum Luosto. Mit Abständen von ca. 5 km findet man dort immer offene Tageshütten, Kotas, laavus (einseitig offene Unterstände) sowie buchbare Hütten für eine Übernachtung.

Amethyst-Steine schürfen

Eine Besonderheit der Region ist das Amethyst-Bergwerk in Lampivaara. Lampivaara ist eine der weltweit wenigen Edelsteinminen, in denen auch Besucher willkommen sind und ihren eigenen Amethyst-Stein ausgraben können.

Das aus Quarz bestehende, violett gefärbte Mineral Amethyst ist vor 2 Mrd. Jahren im Inneren des Faltengebirges entstanden. Heute kann man Amethyst auf dem Gipfel des im Laufe von Jahrtausenden erodierten Berges über Tage schürfen. In Lampivaara wird nicht mit großem Gerät geschürft und das Material wird nicht als Rohstoff verkauft. Deshalb können Besucher hier auch selbst Amethyst schürfen. Im Eintrittspreis ist ein Stein inbegriffen, der in die geschlossene Faust des jeweiligen Besuchers passt.

Mit dem Fahrrad unterwegs

Riikka und Sven aus Ahrensburg in Schleswig-Holstein sind im Sommer 2023 die unglaubliche Strecke von 1.600 km per Fahrrad von Helsinki bis Nuorgam gefahren. Mit unzähligen Fotos und Videos haben sie uns einen Einblick in ihr Abenteuer gewährt. Auf unserer Website gibt es eine Zusammenfassung der Highlights der gesamten Strecke und hier ein Ausschnitt über die Strecke Kemijärvi – Sodankylä, die durch den Pyhä-Luosto Nationalpark führt:

Pyhätunturi – 17.7.2023 – km 1210

Das Ziel des Tages: Pyhätunturi. Die Strecke von Kemijärvi bis zum Fuß des Pyhätunturi beträgt nur 60 km, aber dafür geht es munter bergauf und -ab. Von 146 m ü.NN bis auf 222 m ü.NN. Der Berg hat eine Höhe von 450 m und ist eine beliebte Wintersportdestination. Er liegt im Süden des Pyhä-Luosto Nationalparks.

Unterwegs haben Riikka und Sven einen Stop im Tapionniemen Kyläkartano eingelegt. Am Pyhätunturi angekommen blieben die Fahrräder unten stehen und der Gipfel wurde dann zu Fuß erklommen. Bravo! Es hat sich wirklich gelohnt, bei klarem Wetter war der Ausblick entsprechend grandios.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sodankylä – 18.7.2023 – km 1270

Am Dienstag ging es für Riikka und Sven weiter von Pyhätunturi bis nach Sodankylä. Die Strecke, die entlang des Pyhä-Luosto Nationalparks verläuft, beträgt gut 60 km, aber auch hier gibt es ein paar Hügel zu überwinden. Unterwegs besuchen die beiden eine Amethystmine und treffen auf viele Rentiere, oft Mutter mit Kalb und sogar eines mit einem weißen Fell.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pyhä-Luosto im Winter

Pyhä-Luosto ist auch im Winter eine Reise wert. Das beweist der Bericht von Beate, die mit ihrem Ehemann einen Winterurlaub im Februar/März 2023 in Lappland verbracht hat:

Es war unser erster Winter-Aufenthalt in Lappland; gleichzeitig war es der schönste Urlaub, den wir je gemacht haben in unserer über 50-jährigen Ehe.

Als Schneeschuhwanderer waren wir zunächst enttäuscht, dass auf der Karte vergleichsweise wenig Strecken für Schneeschuhwanderer ausgewiesen waren. Im Besucherzentrum Naava fragten wir, welche Möglichkeiten wir denn zum Schneeschuhwandern sonst noch hätten. Lächelnd teilte die Dame uns mit: „Ihnen steht die ganze Wildnis offen.“

Da wir noch nie Berührungsängste mit der Wildnis hatten, eroberten wir uns viele wunderbare Landschaften, oft geradewegs durch den ca. 70 cm hohen Schnee, manchmal in der Spur von Ski-Wanderern.  Bergauf war das schon ziemlich kräftezehrend. Eine der wundervollsten Touren war die Eroberung des Keski-Luosto mit seiner herrlichen baumbestandenen Hochfläche und den weiten Blicken ins Land. Wir waren wie verzaubert, auch wenn die eisige Kälte uns zu schaffen machte. Wir fühlten uns in einer anderen Welt und konnten unser Glück gar nicht fassen. Am Rande der Hochfläche trafen wir am Nordende auf die schönsten Exemplare der „Tykyt“. Übrigens erfuhren wir erst bei einem Abendessen im Restaurant, was Tykyt (Singular Tykky) eigentlich sind: starke Schneeansammlung auf Baumkronen und Ästen.

Foto: Beate Erwien-Schrotmann

Faszinierende Fauna

Beate kann auch über eine beeindruckende Begegnung mit dem Auerhahn – metso –  auf dem Luoston vaellusluontopolku (Luosto Naturlehrpfad) im September berichten:

Foto: Beate Erwien-Schrotmann

Immer wieder hörten wir das Auffliegen großer Vögel. Doch plötzlich flog direkt hinter mir etwas Schwarzes mit lautem Flügelschlag nieder: ein Auerhahn (metsokukko) – ich traute meinen Augen nicht! Er bot einen außergewöhnlichen Anblick: den Schwanz zum Halbkreis aufgestellt und mit abgespreizten Flügeln stolzierte er uns entgegen.

Mal ging er einige Schritte in die Blaubeersträucher, dann kam er wieder hervor: den Hals regelrecht aufgebläht, das Gefieder abgespreizt. Mal zeigte er uns seinen metallisch blaugrün schillernden Brustschild, mal seine Seitenansicht mit den braunen Flügeln und dem weißen Fleck.  Ungefähr eine halbe Stunde lang gewährte er uns dieses Schauspiel, ehe er nach mehreren Umkehrversuchen wieder im dichteren Wald verschwand.

Den ganzen Bericht darüber gibt es hier.

Bisher erschienen

Nationalparks – Finnlands Naturparadiese  (12.7.2025)

Finnlands Nationalparks -Pallas-Yllästunturin kansallispuisto  (18.7.2025)

 

Auch interessant

Buchbesprechung: Hiking in Finland  (27.8.2025)

 

Beitragsfoto oben: Rykimäkero/Alexandra Mahler-Wings