Weniger ist mehr – auch im Garten

Finnische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein nicht perfekt gepflegter Garten die Gesundheit fördert. Eine willkommene Nachricht für alle Gartenbesitzer mit wenig Zeit!

Eine in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Microbiome veröffentlichte Untersuchung, die die Universität Tampere gemeinsam mit dem Institut für natürliche Ressourcen (Luke) und dem Unternehmen Benefa Oy durchgeführt hat, ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Diversität des heimischen Gartens und der Gesundheit der Bewohner. Wenn man den Garten zumindest teilweise in einem möglichst natürlichen Zustand belässt, wirkt es sich schnell positiv auf die Gesundheit aus.

Im Rahmen der Untersuchung wurde in den teilnehmenden Gärten die Biodiversität erhöht, indem man verschiedene Pflanzenarten angepflanzt, Komposter aufgestellt und Totholz sowie mikrobenhaltige Pflanzerde und Rindenmulch im Garten verteilt hat. Die Bewohner wurden aufgefordert, eine „beherrschbare Unordnung“ walten zu lassen: das Herbstlaub sollte nicht entfernt werden und Rasenflächen wurden in Wiesen verwandelt. In der Vergleichsgruppe wurden die Gärten wie üblich gepflegt.

Nach der Umstellung gaben die Bewohner von insgesamt 36 Grundstücken drei Monate lang Proben von ihrem Mikrobiom auf der Haut und im Rachen ab, um die Veränderungen zu dokumentieren.

Der Mensch ist ein Teil der Natur

Veränderungen und Unterschiede zwischen den beiden Gruppen waren feststellbar bereits innerhalb der drei Monate, obwohl alle Teilnehmenden gleichermaßen in ihren Gärten gearbeitet haben.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es nicht entscheidend ist, wie viel man im Garten werkelt, sondern vielmehr, wie der Garten um uns herum beschaffen ist.

Alleine das Einatmen der Luft in einem weniger gepflegten, naturnahen Garten kann schon gesundheitsfördernd wirken, aber der direkte Kontakt mit der Erde und der Pflanzen beispielsweise bei der Ernte bringt noch größere Effekte mit sich. Ein naturnaher Garten hat u.a. Einfluss darauf, wie unser Körper Vitamine produziert. Auch unser Gemütszustand wird durch unser Mikrobiom beeinflusst.

Im Rahmen der Untersuchung konnte ein Zusammenhang mit der Diversität des Mikrobioms im Rachenraum und dem Entzündungsmarker IL-6 (Interleukin) festgestellt werden, was auf positive Effekte auf der Ebene des Immunsystems hinweist.

Naturkontakte fördern die Gesundheit

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung war die Bedeutung von Totholz im Garten. Je mehr Totholz in der Umgebung vorhanden war, desto größer die Menge der auf der Haut und im Rachen festgestellten Mikroben naturnahen Ursprungs. Interessant war ebenfalls, dass auch das auf Nachbargrundstücken liegendes Totholz einen Effekt hat.

Die Untersuchung mit einem Beobachtungszeitraum von nur drei Monaten ist nur der Anfang. Längerfristige und umfangreichere Studien müssen folgen, um feststellen zu können, wie lange die Veränderungen anhalten und welche Langzeiteffekte sie auf die Gesundheit haben. Aber schon jetzt bringen die Ergebnisse wichtige neue Aspekte z.B. für die Stadtplanung, um gesunde Umgebungen zu schaffen. Ähnliche Ergebnisse hat man auch erzielt, wenn man die Außenbereiche von Kindergärten naturnah gestaltet hat. Das Mikrobiom der Kinder hat sich bereits innerhalb von einem Monat positiv verändert.

Wir können uns also mit gutem Gewissen auch einfach mal – im Gartensessel – zurücklehnen und den nicht so perfekten Garten als eine Quelle unserer Gesundheit und des Wohlbefindens betrachten.

 

Quelle: YLE