Reisebericht Teil 5: Inari und Lemmenjoki Nationalpark

Vom Hossa-Nationalpark nach Inari sind es gut 500 km über Kemijärvi und Sodankylä. Dort essen wir Mittag in einem Restaurant in der zentralen Einkaufsstraße.

Gegen frühen Abend erreichen wir Inari und steuern gleich den Campingplatz an, auf dem ich im Jahr zuvor zwei Meter vom See entfernt gestanden habe. Ich weiß noch, wie fasziniert ich von dem sich dauernd ändernden Licht über dem See war, er hinterlässt einen magischen Eindruck, man kann gut verstehen, dass er für die Sami heilig war oder immer noch ist.

Leider bietet Lomakylä Inari nur noch Hüttenvermietung. Wir werden an den anderen Campingplatz am Ortseingang verwiesen. Auf dem Weg dorthin wollen wir in dem etwas aus der Zeit gefallenen kleinen Laden einkaufen, der mir auch noch in guter Erinnerung ist. Der ist leider abgerissen, er wird moderner und größer wieder aufgebaut. Beim anderen Campingplatz angekommen erfahren wir, dass Hunde auf diesem Platz nicht erlaubt sind. Wir sind etwas ratlos. Zum nächsten Campingplatz, der in unseren Apps verzeichnet ist, müssten wir noch 30 km fahren, er liegt nicht am See, wo wir aber am nächsten Tag wandern und das Siida-Museum besuchen wollen. Niels-Peter findet, dass der Parkplatz am Juuttua Trail als Stellplatz ausgewiesen ist, allerdings ohne Strom und Wasser oder Sanitäranlagen. Wir fahren dorthin und sind über Nacht auch nicht alleine dort. Wasser holen wir aus dem Fluss und eine Trockentoilette ist auf der anderen Flussseite am Wanderweg.

 

 

 

 

 

 

 

Die Stromschnellen sehen beeindruckend aus. Nellie traut der Brücke nicht, obwohl an der Seite Holzplanken verlegt sind. Wir müssen sie auf die andere Seite tragen. Wir brechen am nächsten Morgen nach einem Frühstück draußen zur Wanderung am Juuttua auf. Den Tipp habe ich aus dem sehr empfehlenswerten Buch Outdoor Finnisch-Lappland (20 Wanderungen und Spaziergänge) aus dem Conrad Stein Verlag.

In Inari essen wir im Kahvila des Sajos, dem Kulturzentrum und finnischen Parlament der Sami zu Mittag. Dort wie auch im Siida wird sehr moderne Küche angeboten einschließlich eines veganen Gerichts. Bei der Architektur des Sajos verschmelzen innen und außen, das Gebäude nimmt die Natur rundum auf, es wirkt transparent.

 

 

 

 

 

 

 

Wir wandern auf der anderen Seite des Flusses zurück und fahren noch einmal mit dem VW-Bus nach Inari hinein, weil wir ins Siida-Museum wollen und Nellie dann im Auto bleiben muss. Das Museum gibt einen wunderbaren Einblick in das Leben und die Geschichte der Sami und in die Natur und die Jahreszeiten Lapplands. Als Andenken nehmen wir aus dem Shop gegenüber zwei Rengeweihe mit.

Der Lemmenjoki-Nationalpark ist uns von Armin empfohlen worden und so fahren wir zu einem Campingplatz in der Nähe mit dem schönen Namen Valkeaporo, weißes Ren.

Wir stehen wieder mit Blick auf den See, hier den Menesjärvi, der morgens, da es nun nachts ziemlich kühl wird, im Nebel liegt.

Die erste Wanderung im Lemmenjoki-Nationalpark soll der 16 km lange Joenkielinen Circle Trail sein, der auf den gleichnamigen Fjell führt. Von oben hat man einen fantastischen Blick auf die Umgebung. Auch kurz unter dem Gipfel ist noch ein kleiner See.

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg zu dem zweiten beschilderten Wanderpfad, dem 12 km langen Sallivaara Trail, der zu einem alten Rentiersammelplatz führt. Der Weg führt durch Wald und ausgedehnte Moorgebiete. Hier sehen wir ein weißes Rentier und erst später die Geweihe der anderen, die aus dem Gras aufragen.

 

 

 

 

 

 

 

Am Ziel finden wir das „reindeer round up“, mit Rentierzäunen abgegrenzte Pferche mit einer großen Fläche in der Mitte. Daneben stehen ein paar Hütten, die zum Teil offen sind. Eine dient jetzt Wanderern als Übernachtungshütte.

 

 

 

 

 

 

 

In der größten liegt ein großer Ordner mit Fotos und Erklärungen zu den Häusern und dem Leben, das hier stattgefunden hat, wenn die Sami aus allen Himmelsrichtungen hierherkamen, um ihre Rentiere zu verkaufen und das Treffen zu feiern. In dieser großen Hütte wurde früher getanzt. Die Berichte sind zitiert von Sami, dadurch wird das Beschriebene sehr lebendig, wenn man in dieser Hütte sitzt und es liest.

Auf dem Rückweg begegnen wir wieder Rentieren.

Dann verlaufen wir uns etwas, weil wir einer Treckerspur folgen und nicht genug auf die Kreuze am Wegesrand geachtet haben. Es ist etwas neblig geworden und rundum sieht alles gleich aus. Mit Hilfe der Aufzeichnung des Hinwegs auf dem Handy finden wir zurück, ich hatte zwar den Wanderweg in der richtigen Richtung gesucht, war aber nicht weit genug gegangen, weil wir in Hörweite bleiben wollten. Die Sami  haben sich ohne technische Hilfsmittel orientiert, wird uns da bewusst. Als wir zurück am Parkplatz in den VW-Bus steigen, um weiterzufahren, fängt es an zu regnen. Das Schneehuhn auf der Straße hat keine Angst vor Autos, nur fotografieren lässt es sich nicht gern.

Nach ein paar Kilometern hört der asphaltierte Teil der Straße auf, sie führt als Schotterstraße mit ziemlichen Schlaglöchern weiter. Die Sicht ist schlecht, es wird dunkel und die Fahrt etwas abenteuerlich. Wir sind froh, als wieder Häuser auftauchen. Als wir später das Auto und die Fahrräder von außen sehen, ist alles grau – mit Schlamm bespritzt. Das wird erst beim nächsten kräftigen Regen einigermaßen herunter gespült werden. Wir wollen noch weiter Richtung Kittilä. Die Zeit drängt langsam, wir müssen uns, auch wenn es schwerfällt und die Ruskafärbung erst langsam anfängt, auf den Weg Richtung Süden machen.

Fortsetzung folgt!

Text: Alexandra Mahler-Wings

Fotos: Alexandra Mahler-Wings und Niels-Peter Mahler

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