Früh übt sich, wer ein Komponist werden will

Jean Sibelius ist sicherlich der bekannteste und am meisten gespielte finnische Komponist. Mittlerweile gibt es jedoch viele weitere, die zu internationalem Ruhm gelangt sind. Im Rahmen des Uuno Klami –Kompositionswettbewerbs werden die besten gekürt. Auch Kinder und Jugendliche können teilnehmen.

Der internationale Uuno Klami-Wettbewerb zählt zu den bedeutendsten weltweit und findet seit 2004 alle fünf Jahre statt. Organisatoren sind die Städte Kotka und Kouvola sowie das Sinfonieorchester Kymi Sinfonietta, das die Werke der Finalisten aufführt. Seit 2007 gibt es auch einen separaten Wettbewerb für Kinder und Jugendliche für die Altersklassen 10-14 Jahre und 15-19 Jahre. Der Einsendeschluss für den aktuellen Wettbewerb ist Mitte Februar 2022. Danach wählt die hochkarätig besetzte Fachjury aus beiden Altersklassen insgesamt etwa zehn Finalisten aus. Die Werke der Finalisten werden dann im Herbst 2022 aufgeführt.

Jury entscheidet erst nach den Konzerten

Alle Finalisten können in der Woche vor den Aufführungen an den Orchesterproben teilnehmen und die Vollendung ihre eigenen Werke mitverfolgen. Für die jungen Komponisten bietet der Wettbewerb die einmalige Chance, mit einem Berufsorchester zusammenzuarbeiten und das berufliche Umfeld eines Komponisten hautnah kennen zu lernen. Bei den meisten Wettbewerben für Komponisten werden die eingereichten Werke nur nach Partitur bewertet. Beim Uuno Klami-Wettbewerb werden die Stücke der Finalisten vor Publikum aufgeführt und erst danach entscheidet die Jury, wer als Sieger hervorgeht. Die Jury setzt sich im aktuellen Wettbewerb aus Atso Almila, Markus Fagerudd, Minna Leinonen, Riikka Talvitie und Sauli Zinovjev zusammen.

Komponistenschmiede Sibelius Akademie

Die indigene Musik Finnlands basiert zwar auf der jahrtausendealten Volksliedtradition, aber die ersten Komponisten klassischer Musik traten erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts in den damaligen kulturellen Zentren wie Turku und Wiborg hervor. Als Vater der finnischen Kunstmusik gilt allerdings der aus Hamburg stammende Fredrik Pacius, der ab 1835 als „Musiklehrer“ an der Universität in Helsinki tätig war. Er brachte die deutsche Romantik nach Finnland und war maßgeblich am Aufbau des finnischen Musiklebens beteiligt, indem er unter anderem ein Sinfonieorchester und einen Studentenchor gründete und als Dirigent sehr aktiv war.

Auch das Frühwerk von Jean Sibelius ist entscheidend von der deutschen Romantik, aber ebenso der finnischen Volksmusik geprägt.  Jedoch wurde er insbesondere mit seinem in die Moderne weisenden Violinkonzert und späteren Orchesterwerken zum international meistbeachteten finnischen Komponisten. Seine Musik war mit ihrem nationalromantischen Pathos insbesondere in der aufgewühlten Zeit des nationalen Erwachens und der Erlangung der Unabhängigkeit des Landes in hohem Maße identitätsstiftend.  Für die jüngeren finnischen Komponisten stellte Sibelius eine Art Überfigur dar, mit oder gegen die sie ihr eigenes Schaffen definierten.

Eine wahre Musikerschmiede ist die Sibelius-Akademie in Helsinki, die einzige Musikhochschule Finnlands. Sie wurde 1882 als eine Privatinitiative von Martin Wegelius unter dem Namen Musikakademie Helsinki (Helsingin musiikkiopisto) gegründet und zählt heute zu den größten in Europa. Als Vorbild für die Akademie diente das Leipziger Konservatorium, in dem er selbst Schüler gewesen ist. Einer seiner Schüler war Jean Sibelius, der später zur Leitfigur und 1939 auch zum Namensgeber wurde. Seit 1998 hat die Sibelius-Akademie den Status einer Hochschule. In 2013 wurden die Akademie der bildenden Künste, die Theaterhochschule und die Sibelius-Akademie unter der gemeinsamen Verwaltung der Kunsthochschule Uniarts Helsinki zusammengefasst.

Uuno Klami

Uuno Klami, Foto: Museovirasto/CC BY 4.0

Der Namensgeber des Wettbewerbs, Uuno Klami, wurde 1900 in Klamila bei Virolahti, östlich von Kotka geboren und lebte bis 1961. 1915 schrieb er sich als Student für Klavier und Komposition in die Musikakademie von Helsinki ein. Er hat beide Elternteile früh verloren und musste seinen Lebensunterhalt als Pianist in Restaurants und Kinos selbst verdienen.

Nach dem Abschluss seines Studiums konnte er mit Hilfe eines Stipendiums nach Paris reisen, wo er u.a. Ravel persönlich kennen lernte. Dieser Aufenthalt hat seinen Werdegang entscheidend geprägt und die Grundlage für seine im „französisch-russischen Stil“ komponierten Orchesterwerke gelegt.

Maurice Ravel war sein großes Vorbild, aber auch die Werke von Stravinsky und Prokofjev sowie die moderne spanische Musik haben ihn beeindruckt. So hat die Weltmusik ihn als Komponist weit weg vom Stil der damals sehr populären Sinfonien von Sibelius geführt. Klami hat über seine Werke gesagt, dass er die übliche Melancholie und Schwermut, die im Ausland oft bei finnischen Komponisten kritisiert worden war, vermeiden wollte. Seine bekanntesten Werke sind die Karelia-Serie und das Psalmus-Oratorium.

Quellen und weitere Informationen:

Uuno Klami-Wettbewerb

Sibelius-Akademie

 

Foto oben: Sieger der Gruppe 10-14 Jahre (v.l.): Joonas Pesonen, Maxim Larionov und Lauri Mäki-Kojola. Fotograf: Petri Hurme