Die Ortsansässigen fürchten um den Inari-See

Bleibt der Inari-See als Wildmark erhalten? Das darf bezweifelt werden, da es gegenwärtig so aussieht, als würde der See nicht den Status eines Nationalparks erhalten. Denn kürzlich hat die Gemeindeverwaltung Inari beschlossen, dass sie den entsprechenden Vorschlag nicht prüfen wird.

Das ist ein schroffes Aus für die Bürgerinitiative Inari-See, die die Naturfreunde Inari dem Gemeinderat mit großen Hoffnungen vorgelegt hatte. Die Zeit ist immer noch nicht reif dafür, diesen See, der Weltruhm erlangt hat, endgültig vor großen Touristenanlagen zu schützen, die seit Jahren seine von Urwäldern umstandenen Ufer bedrohen.

Luxushotel mitten in der Wildnis

Das neueste erschütternde Projekt ist das von dem Schauspieler Jasper Pääkkönen und der Investmentgesellschaft Korpi Capital geplante Luxushotel, das auf der Spitze der Halbinsel  Nanguniemi mitten im See gebaut werden soll.

Das Zentralamt für Forstwirtschaft (Metsähallitus), das die Verfügungsgewalt über die im Staatsbesitz befindlichen Waldgebiete am See innehat, ist dafür verantwortlich, dass deren Natura-Status und das Programm zum Schutz der Ufer umgesetzt werden. Wie ist es möglich, dass der oberste Schutzherr des Sees schon jetzt bereitwillig einen Bebauungsplan für das fragliche Gebiet erstellt, der die Errichtung eines Luxushotels vorsieht?  Die verantwortlichen Stellen haben den um das Schicksal des Sees besorgten Gemeindebürgern stets lauthals verkündet, das Natura- und das Uferschutzprogramm garantierten den Wildmarkcharakter der Seenlandschaft auch für die kommenden Generationen. Diese gebetsmühlenhaft wiederholte Versicherung klingt hohl, wenn es Gesetzeslücken für die Planung eines solchen Vorhabens gibt.

Einzigartige Kulisse für anspruchsvolle Gäste

Rentiere in der atemberaubenden Wildnis am Inari-See, Foto: Visit Finland

Gemeindevorsteher Toni K. Laine verteidigt das Projekt, indem er in der Zeitung Inarilainen schreibt, dass ein Tourist, der Natur-, Quartier- und Serviceerlebnisse von Fünf-Sterne-Niveau fordert, wahrscheinlich etwas Einzigartiges erwarte. Und damit die Gemeinde Inari profitiert von diesen Personen, die hochklassige Erlebnisse verlangen, müsse sie auch eine entsprechende Umgebung bieten.

Das ist ein schwerer Irrtum. Die Menschen hier in Inari sind voller Angst und Entsetzen wegen der Gefahr, die dem See droht.

Der Gemeinde Inari geht es gut. Ein breiter Strom von Touristen hat ihr Arbeit und Auskommen gebracht. Es gibt keinerlei Notwendigkeit, an den Wildmarkcharakter des Inari-Sees zu rühren. Wenn die Gemeinde trotz aller Widerstände ihr Projekt eines Luxushotels verwirklichen will, muss dessen Platz in den Siedlungszentren der Dörfer am See sein, wo  die notwendige Infrastruktur vorhanden ist, aber nie und nimmer an der Spitze der unberührten Landzunge Nanguniemi.

Text: Harald Helander

Aus dem Finnischen von Angela Plöger

Der Autor, der Deutsch-Finne Harald Helander (geb. 1934), verbrachte seine Kindheit in Helsinki, ab 1942 lebte er in Deutschland, später brachte ihn sein Beruf in die ganze Welt. Seit ca. 30 Jahren lebt er am Ufer des Ivalo-Flusses in Lappland, Finnland.

Beitragsbild: Alexandra Mahler-Wings

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