Der Tag eines großen Dichters

Der 5. Februar, der Geburtstag von Johan Ludvig Runeberg, wird in Finnland alljährlich mit diversen Literaturveranstaltungen gefeiert. Runeberg war ein finnlandschwedischer Dichter, Journalist und Professor, der durch seine Werke zum Nationaldichter Finnlands wurde.

Foto: Museovirasto/Daniel Nyblin

Johan Ludvig Runeberg wurde am 5. Februar 1804 in Pietarsaari an der finnischen Westküste geboren. Nach einem Studium der klassischen Sprachen und Philosophie an der Åbo Akademie nahm Runeberg eine Stellung als Lektor in Porvoo an, wo er bis zu seinem Tode 1877 auch lebte. In Pietarsaari sind einige historische Stätten aus dem Leben von Runeberg erhalten geblieben, so z.B. die sog. „Runeberg-Hütte„. Sie ist eine von Runebergs Vater, Kapitän zur See Lorentz Ulrik Runeberg, 1810 errichtete Jagd- und Fischerhütte. In diesem Häuschen verbrachte der Dichter die Sommer seiner Kindheit. In Porvoo kann man das Haus besichtigen, in dem Runeberg mit seiner Frau von 1852 bis zu seinem Tode lebte.

Ursprung der finnischen Nationalhymne

Das wohl bekannteste Werk von Johan Ludvig Runeberg sind die „Erzählungen des Fähnrich Stål“ (Vänrikki Stålin tarinat), eine Sammlung heroischer Gedichte, die den Finnischen Krieg 1808-09 beschreiben. In der Einleitung befindet sich eine Huldigung an das Vaterland, „Unser Land“. Das Gedicht wurde später von Frederic Pacius vertont und ist heute die Nationalhymne Finnlands.

Entstehung der finnischen Identität

Sein Aufstieg zum Nationaldichter wurde stark durch die aktuellen Ereignisse der damaligen Zeit begünstigt. Finnland als eigenständige Nation existierte zu der Zeit noch nicht, sondern war immer ein Teil eines fremden Staates – Schweden oder Russland – gewesen. Somit hatten die Finnen auch noch keine ausgeprägte nationale Identität bilden können. Gemeinsam mit Elias Lönnrot, der später das Nationalepos Kalevala herausbrachte, wurde er in den Augen der Finnen zu einem der herausragendsten Schöpfer der finnischen Nation mit einer eigenständigen Kultur und Geschichte. Mit seinen Gedichten schuf er ein Idealbild von einem finnischen Volk, die „Erzählungen des Fähnrich Stål“ gaben ihnen die moralische Identität.

Bild von Albert Edelfelt aus Fähnrich Ståls Erzählungen

Patriotismus mit finnischem Humor

In den epischen Heldengedichten werden sowohl tatsächlich existierende Offiziere als auch erdachte einfache, finnische Soldaten heroisiert, die verantwortungsbewusst ihr Vaterland verteidigt haben. Die Erzählungen sind vor dem Hintergrund der allgemeinen politischen Unruhen des europäischen Revolutionsjahres 1848 entstanden. Allerdings hat Runeberg immer nur fiktive Erzählungen geschrieben, eine objektive geschichtliche Darstellung war nicht sein Ziel. Die Tonart ist konservativ patriotisch, jedoch mit viel Humor gespickt. Sie haben entscheidenden Einfluss auf die Bildung des bis heute sehr stark ausgeprägten Vaterlandgefühls der Finnen und dessen neuhumanistische Orientierung gehabt.

Süßes zum Runeberg-Tag

Passend zum Runeberg-Tag tauchen in den Geschäften und Konditoreien in Finnland auch die Runeberg-Törtchen auf. Es heisst, dass Runebergs Frau Frederika Runeberg, die auch eine Schriftstellerin war,  ihrem Ehemann diese Törtchen gebacken hat. Die ehemalige Direktorin des Museums von Porvoo und des Runeberg-Hauses, Marketta Tamminen, hat jedoch mal in einem Artikel in der Helsingin Sanomat geschrieben, dass ihrer Meinung nach die ursprünglichen Törtchen aus einer Bäckerei stammen. Der Gastwirt und Konditor Astenius verkaufte dieses zylinderförmige Gebäck bereits Ende der 1840er Jahre. Nachdem diese Törtchen zu Runebergs Lieblingsgebäck avancierten, hat man in der Konditorei begonnen, sie Runeberg-Törtchen zu nennen. Der Name ging in den allgemeinen Sprachgebrauch über und in einer Zeitungsanzeige aus dem Jahre 1865 kann man lesen, dass das Café Ekberg in Helsinki Runeberg-Törtchen verkauft. Ein Geselle aus der Konditorei von Astenius wechselte nämlich zu Café Ekberg und so, vermutete Marketta Tamminen, gelang das Rezept nach Helsinki.

Das Originalrezept der Runeberg-Törtchen ist leider nicht erhalten geblieben, aber es ist überliefert worden, dass der Teig außer Weizenmehl Semmelbrösel oder Kuchenkrümel sowie gemahlene Mandeln enthielt. Diese Zutaten sind in den meisten heutigen Rezeptvarianten enthalten. Einige befeuchten die Törtchen mit Rum, andere mit Punsch. Manche füllen sie mit Marmelade, manche wiederum nicht. Im Café Ekberg hat man die Törtchen seit Jahrzehnten nach dem gleichen Rezept gebacken und dort sagt man, dass sie trocken sein müssen. Hier ist eine Variante der Runeberg-Törtchen:

Zutaten:

200 g Butter oder Margarine
1 dl Zucker
1 dl Farinzucker (brauner Zucker)
2 Eier
3 dl Weizenmehl
1 dl Semmelbrösel (teils aus zerkrümeltem Pfefferkuchen)
2 TL Backpulver
1 dl Milch
(1-2 Tropfen Bittermandelöl)

Füllung:
1-1 1/2 dl Himbeerkonfitüre

Zum Befeuchten:
Apfelsaft

Dekoration:
Himbeerkonfitüre
1 dl Puderzucker
1/2 -1 EL Wasser

  1. Das weiche Fett und den Zucker schaumig schlagen.
  2. Die Eier einzeln hinzufügen und gut durchrühren.
  3. Alle trockenen Zutaten miteinander vermischen und zusammen mit der Milch in den Teig geben. Nach Belieben das Bittermandelöl hinzufügen.
  4. Den Teig in kleine Backförmchen verteilen, am liebsten in Zylinderform, d.h. mit einer geraden Kante. Die Förmchen nur zu 2/3 füllen.
  5. Mit einem bemehlten Daumen eine Mulde in die Mitte des Törtchens drücken und mit Konfitüre füllen.
  6. Bei 200°C 15 – 20 Minuten auf der mittleren Schiene backen.
  7. Die abgekühlten Törtchen mit Apfelsaft beträufeln und mit Konfitüre bestreichen. Puderzucker mit dem Wasser vermischen, so dass eine cremige Masse entsteht. Mit dem Zuckerguss einen Ring auf die Törtchen spritzen (oder tröpfchenweise mit Hilfe eines Löffels).

Wenn Sie keine Pfefferkuchen haben, können Sie den Teig mit 1 Teel. Zimt und ½ Teel. Nelken abschmecken. Man kann die Törtchen vor der Dekoration auch mit einer Mischung aus Zucker, Wasser und Rum tränken.

 

Rezept und Foto: Marttaliitto/kuva-arkisto

Beitragsbild: Helsinki Marketing/Yiping Feng, Ling Oyang (Runeberg-Denkmal in Helsinki)

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