You can say you to me

Duzen oder siezen? Die deutschen Gepflogenheiten sind gerade in diesem Punkt sehr schwierig für viele Menschen aus anderen Kultur- und Sprachräumen.

Wie eine aktuelle Umfrage von Statista in Zusammenarbeit mit YouGov zeigt, ist das „Du“ – wenig überraschend – bei Jüngeren weiter verbreitet als bei Älteren. Allerdings: das Du ist auch hierzulande am Arbeitsplatz schon lange auf dem Vormarsch. Die Kolleginnen und Kollegen werden  in allen Altersklassen geduzt.

Bereits jeder vierte in der Altersklasse der 35- bis 44-Jährigen spricht alle mit Du an. Bei den Beschäftigten ab 55 Jahren wollen 12 Prozent der Befragten am Arbeitsplatz lieber beim Sie bleiben.

Im deutschen Arbeitsalltag erfordert die Frage, ob Sie oder Du angebracht ist, also immer noch viel Fingerspitzengefühl. In Start-ups mit flachen Hierarchien wird jeder geduzt, bei strengerer Hierarchie sollte man vorsichtiger sein.

In Finnland geht man sehr schnell auf das Du über

In Finnland ist das Siezen heutzutage eher selten. Es wird als sehr formell und zu ehrfürchtig empfunden. Aber die finnische Sprache kennt das Sie, wann hat sich die Einstellung dazu verändert?

Wie so vieles, ist das Duzen aus Schweden nach Finnland „übergeschwappt“. Dort benutzte man lange Zeit Titel und die dritte Person bei der Anrede, die Umgangsformen waren sehr steif und formell. Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen der 1960er Jahre hat sich das Verhalten der Menschen entspannt. Den Stein ins Rollen brachte der neugewählte Chef der schwedischen Gesundheitsbehörde, Bror Rexed, der in seiner Antrittsrede im Jahr 1967 bekanntgab, dass in seiner Behörde sich alle duzen dürfen und man ihn auch mit dem Vornamen ansprechen soll. Das Duzen machte sich dann sehr schnell in den 1970er Jahren auch in Finnland breit.

Foto: R.Supperi/Business Finland

Ich kann mich noch an meine Schulzeit in der Deutschen Schule Helsinki erinnern, als den Schülerinnen und Schülern von den finnischsprachigen Lehrkräften das Du angeboten wurde. Wer sich mit dem Geduztwerden von den Schülern nicht wohl fühlte, konnte eine Blume am Revers tragen – ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine gesehen zu haben.

Die Nordischen Länder sind jedoch eher die Ausnahmen in Europa, das Duzen ist dort eine neutrale Art der Anrede. In vielen anderen Sprachräumen, wie z.B. im Deutschen, Französischen oder in den slawischen Sprachen, ist das Siezen eher die Norm, das Duzen gehört in den engeren Beziehungskreis der Menschen. In diesen Sprachen wird das Siezen in der Regel nicht als formell oder steif empfunden, sondern als eine natürliche Weise, Menschen anzusprechen.

Aber wie die anfangs genannte Umfrage zeigt, befindet sich auch die deutsche Gesellschaft in dieser Beziehung im Wandel!

Marianne

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