Finnlands Nationalparks – Tiilikkajärvi
Der in 1982 gegründete und in 2023 erweiterte Nationalpark Tiilikkajärvi ist ein Naturparadies mit vielen unterschiedlichen Landschaftsformen. Sie variieren von leichten Höhenrücken bis hin zu weiten, sehr feuchten Moorgebieten sowie Flüssen und kleinen Seen mit zauberhaften Sandstränden.
Von Schmelzwasser geformt
Mit einer Fläche von 72 km² zählt Tiilikkajärvi zu den kleineren Nationalparks in Finnland. Der urwaldähnliche Nationalpark wird geprägt von niedrigen, mit Kiefern bedeckten Höhenrücken. Die beiden Höhenrücken Pohjoisniemi und Kalmoniemi, die in den Tiilikka-See hineinragen, lassen nur eine 150 m breite Meerenge offen.
Die Erhebungen wurden geformt, als das Eis vor ca. 10 000 Jahren zu schmelzen begann und das Schmelzwasser tiefe Gräben formte. Auf dem leicht erodierenden Boden ist die Vegetation sehr sensibel. Deshalb darf man auf den Landzungen des Tiilikka-Sees nur auf ausgewiesenen Pfaden wandern.
Spuren der Geschichte
In den Wäldern des Nationalparks findet man viele Zeichen von menschlichen Wohnstätten der vergangenen Jahrhunderte. Die alten Eisenhütten und Gräber auf den kleinen Inseln erzählen Geschichten über das Leben in der Grenzregion. Das Wahrzeichen des Tiilikkajärvi Nationalparks ist das in den Grenzstein gemeißelte Zeichen des Friedens von Täyssinä. Die Grenze, die im Friedensvertrag von 1595 zwischen dem schwedischen Königreich und des russischen Zarenreichs vereinbart wurde, verlief durch den Tiilikka-See. Der Stein mit den Zeichen von Schweden und Russland steht noch heute mitten im See.
Die beiden Landzungen wurden jahrhundertelang als vorübergehende Grabstellen benutzt. Früher glaubten die Menschen, dass das Wasser ringsherum die Seelen der Toten davon abhielt, zurück ins Dorf zu kehren, bis man sie auf dem eigentlichen Friedhof begraben konnte.
Historische Eisenhütten
Ein bedeutender Wirtschaftszweig vergangener Jahrhunderte in der Region war die Eisenproduktion in einfachen Öfen. Es gab viele Eisenerzvorkommen, insbesondere in den Gewässern der Region, oft als See- oder Raseneisenerz (Limonit) bezeichnet. Sie bilden sich durch die Oxidation eisenhaltigen Grundwassers in sauerstoffreichen, flachen Gewässern, Mooren oder Sumpfgebieten. Diese dunkelbraunen bis schwarzen Ablagerungen waren früher lokal von Bedeutung für die Eisengewinnung insbesondere im Norden Europas.
Paradies für Hobby-Ornithologen
Im Tiilikanjärvi Nationalpark findet man noch die Ruhe und Einsamkeit der Wildnis. Davon zeugt auch die Tatsache, dass sich hier sogar der relativ seltene Unglückshäher, kuukkeli, einem Wanderer zeigt. Typische Wasservögel des Nationalparks sind beispielsweise die Krickente (tavi), der Prachttaucher, (kuikka), Flussuferläufer (rantasipi) und der Bruchwasserläufer (liro). In den Wäldern findet man den Fitis (pajulintu), Buchfink (peippo), Bergfink (järripeippo), Grauschnäpper (harmaasieppo), Baumpieper (metsäkirvinen) sowie die Rotdrossel (punakylkirastas).
Erfahrungsbericht
Beate hat mit ihrem Mann Ulrich den Nationalpark besucht und berichtet hier über die Wanderung:
Der Tiilikkajärvi-Nationalpark wurde gegründet, um wildnisähnliche See-, Fluss- und Esker-Ökosysteme sowie die offenen Aapa-Moore rund um den Tiilikka-See zu bewahren. Der Fluss Itkonjoki mündet in den Tiilikka-See, nachdem er durch die Moore des Parks geflossen ist. Der Tiilikka-See hat nur sehr wenige Wasserpflanzen, da das Wasser ziemlich hart ist, wenn es aus den Mooren fließt.
Der Nationalpark Tiilikkajärvi verfügt über etwa 21 Kilometer markierte Naturpfade. Die beliebteste Route ist Uiton Kierto mit 7 km, der um die beiden Seen des Nationalparks herumführt. Der Rundweg führt durch Moore, Bergrücken und Wasserflächen.
Im Uhrzeigersinn starten wir am Parkplatz in Sammakkotammi. Die erste Hälfte des Weges verläuft auf und ab auf Bergrücken. Der Weg bietet durch die Bäume Ausblicke auf die Seen Sammakkojärvi und Autiojärvi.
Schließlich passierten wir den Venäjänhiekka, den berühmtesten Sandstrand im Nationalpark und wanderten weiter Richtung Kalmoniemi. Hier hatten wir die Welt so richtig für uns, so dass wir genüsslich auf der schmalen Langzunge entlanggingen.
Überraschende Begegnung
Zunächst gingen wir bis zum Ende, wo das Ruderboot Richtung Pohjoisniemi vertäut lag. Leider war inzwischen ein starker Wind aufgekommen und obendrein lag das Ruderboot nahezu unerreichbar tief am Ufer, dass wir uns gegen eine Überfahrt entschieden. Folglich
kehrten wir um und suchten uns ein Mittagsplätzchen am Strand, um wenigstens die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Plötzlich gerieten Trauermäntel und ein C-Falter in unser Blickfeld. Es war unglaublich: ohne Scheu tummelten sich hier wahrhaftig acht Trauermäntel nahe des Ufers im Sand. Sie aßen sich am dort hinterlassenen Vogelkot satt oder sonnten sich seelenruhig.
Nach 1 ½ Stunden Pause traten wir den Rückweg an, überquerten die Mündung zwischen
den Seen Autiojärvi und Tiilikkajärvi über eine prächtige Bogenbrücke und befanden uns nun auf der Ostseite des Sees. Der nun folgende Weg war leider schlecht gepflegt; denn sobald wir den leichten Höhenrücken hinter uns gelassen hatten, ging es durch flaches mooriges Gelände, denn „duckboards“ standen manchmal unter Wasser und lagen im Schlamm. Der letzte Abschnitt verlief auf flachem Gelände und wechselte zwischen Moorabschnitten mit Holzwegen und trockenen Kiefernwaldinseln.
Nach gut sechs Stunden erreichten wir wieder den Parkplatz Sammakkotammi und mussten erst einmal unsere verschlammten Wanderschuhe am Wasser reinigen.
Text und Fotos Erfahrungsbericht: Beate Erwien-Schrotmann
Bisher veröffentlicht:
Nationalparks – Finnlands Naturparadiese
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Beitragsfoto oben: Visit Finland/Petri Jauhiainen











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