Frostige Zeiten

In Enontekiö fiel das Quecksilber Ende der vergangenen Woche auf einen Rekordwert von -44,3°C. Auch im Süden Finnlands mussten sich die Menschen warm anziehen. Bei eisigem Wind fühlten sich die gemessenen -16°C an wie -25°C.

Am Flughafen von Enontekiö im nördlichen „Arm“ Finnlands wurde mit -44,3°C der Rekordwert der 2000er Jahre gemessen. Der bisherige Rekord lag bei -43,6°C und wurde 2006 in Kittilä gemessen. Das Wetteramt von Finnland hatte für das ganze Land eine Frostwarnung ausgesprochen. Eine Entwarnung gab es allerdings ab Sonntag, als sich die Temperaturen wieder etwas Richtung Nullpunkt bewegten.

Viele Zugverbindungen mussten storniert werden. Auch Eigentümer von Elektrofahrzeuge hatten große Probleme. Durch den extrem hohen Stromverbrauch schnellten die Strompreise in die Höhe.

Finnland und Fennoskandinavien Extremfall

Auch in Helsinki musste man sich warm anziehen! Foto: Visit Finland/Ants Vahter

Diese Extremwetterlage in Finnland und Skandinavien war ziemlich einmalig global betrachtet, überall anders auf der Welt war es wärmer als bisher. Die Tageswerte lagen in den früheren Jahren auch in Finnland deutlich niedriger in dieser Periode: durchschnittlich zwischen -0,4°C und -5,2°C.

Die langfristigen Trends zeigen, dass es zwar immer wieder Perioden mit Ausreißern ins Extreme gibt, aber die Tendenz dennoch nach unten geht. Gemäß den Messungen des Finnischen Wetterdienstes gab es in den 2000er Jahren bereits 11 Winter, in denen in Helsinki kein einziges Mal Werte unter -20°C gemessen wurden. Im Norden Finnlands, in Sodankylä, hat man im 20. Jahrhundert jedes zweite Jahr frostige Temperaturen unter -40°C gemessen. Im 21. Jahrhundert wurde der Wert bisher nur einmal unterschritten.

Ist der Klimawandel die Ursache?

Es gibt noch nicht genug wissenschaftlich belastbare Fakten für diese Entwicklungen und Extremwetterlagen im Norden, aber die Veränderungen des Polarwirbels und des Golfstroms könnten Ursachen dafür sein. Durch die Erwärmung des Nordpols könnte der Polarwirbel, der normalerweise die extrem kalten Zonen einschließt, „durchlässiger“ werden und somit die Kälte in bestimmte Regionen bringen.

Der Golfstrom, der für die im Vergleich zur nördlichen Lage Skandinaviens für ein deutlich milderes Klima sorgt, wiederum wird durch die globale Erwärmung verlangsamt und könnte als „Heizung“ schwächer werden oder gar ganz ausfallen.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind jedoch nicht so linear, wie man vermuten könnte so dass uns zumindest in den nächsten Jahren noch keine Eiszeit im hohen Norden bevorsteht.

 

 

 

Quelle: Ilmatieteen laitos, Helsingin Sanomat

Beitragsfoto oben: Visit Finland