Laskiainen – das Rodelfest zur Fastnacht

Weder in Finnland noch in den anderen nordischen Ländern gibt es eine ausgeprägte Karnevalstradition. Allerdings wird in Finnland seit jeher der Faschingsdienstag als Laskiainen gefeiert. Den letzten Tag vor der Fastenzeit hat man schon immer auf eine sehr nordische Weise verbracht: mit Schlittenfahren, Rodeln und Schneeballschlachten!

Fastenbräuche auch nach der Reformation

Gegen Anfang des 14. Jahrhunderts gehörte der grösste Teil Finnlands zum schwedischen Herrschaftsgebiet und zur römisch-katholischen Kirche. Die protestantische Reformation erreichte Finnland zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Viele der alten Fastenbräuche sind jedoch trotz der Reformation in Finnland erhalten geblieben. Sie wurden zwar nicht mehr durch die Kirche vorgeschrieben, aber man verband damit andere, dem bäuerlichen Lebensumfeld entsprechende Zwecke.

Der Volksglaube besagte z.B., dass man durch das Einhalten bestimmter Fastenregeln die Ernte des kommenden Sommers positiv beeinflussen könnte. Unter der evangelisch-lutherischen Kirche entwickelte sich der Beginn der Fastenzeit zu einem Fest der Arbeit, das die Erwartungen und Wertvorstellungen der damaligen bäuerlichen Gesellschaft widerspiegelte. Auch das Leben in den Städten war noch sehr naturverbunden und stark durch die Landwirtschaft geprägt, so dass das Fastnachtsfest bis heute seinen Platz im Reigen der jährlich wiederkehrenden finnischen Brauchtumsfeste behaupten konnte.

Je länger die Abfahrt desto besser die Ernte

Im Jahreskreis der bäuerlichen Gesellschaft stellte das Fastnachtsfest eine Wende für die häuslichen Arbeiten der Frauen dar. Im Herbst begann man mit dem Spinnen der Leinen-, Hanf- und Wollvorräte und ging nun zum Weben der Stoffe über. Die in Mitteleuropa verbreitete, vor der Fastenzeit  ihren Höhepunkt erreichende Karnevalskultur war zwar in Finnland auch nicht gänzlich unbekannt, aber sie hat nie die Popularität erreicht wie in den katholisch geprägten Ländern. In Finnland ging man am Fastnachtsdienstag zum Rodeln. Die ausgelassenen Winterfreuden im Schnee hatten jedoch auch einen ernsten Hintergrund: der im Volk tief verwurzelte Aberglaube besagte, dass man mit dem Rodeln den Erfolg bei der Ernte des kommenden Sommers steigern konnte. Also wünschten sich die jungen Leute, die nachmittags an einem zentral gelegenen Hügel zusammenkamen, durch laute Sprüche und möglichst lange Abfahrten hochgewachsenen Flachs und tellergrosse Weissrüben für ihre Höfe.

Schlittenfahren im Stadtpark

Rodelspaß am Tähtitorninmäki in Helsinki, Foto: VF

Die Bewohner der Stadt Helsinki des 19. Jahrhunderts trafen sich mit Schlitten ausgerüstet in den Parkanlagen von Kaisaniemi, Suomenlinna oder Eteläsatama. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in dem Park des Stadtteils Kaisaniemi sogar eine mit Laternen ausgeleuchtete Doppelrodelbahn. Zum Fastnachtsfest des Jahres 1861 wurde in demselben Park die erste Eislaufbahn eröffnet und die Hauptstadtbewohner hatten erstmalig die Gelegenheit, die neue Modesportart aus Mitteleuropa kennen zu lernen. Die Rodeltradition ist bis heute im ganzen Land lebendig geblieben. Im Park von Kaivopuisto in Helsinki treffen sich auch heute am späten Nachmittag eifrige Rodler und es wird bis in die späten Abendstunden gefeiert. Zum Essen gibt es traditionell Erbsensuppe, Eierpfannkuchen, Hefegebäck und Kaffee.

Nach dem Rodeln gibt’s leckeren Laskiaispulla

Auch das besondere Hefegebäck des Fastnachtsfestes, laskiaispulla, hat seinen Ursprung in der katholischen Fastentradition. Vor der Fastenzeit sollte man hauptsächlich weisse Nahrungsmittel zu sich nehmen, bestehend aus Milch, Butter, Weizenbrot, Käse oder Eier. In den Norden kam das Fastnachtsgebäck ursprünglich aus Deutschland zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Das Gebäck wurde in Butter gebräunt und mit Rosinen und Korinthen gewürzt. Üblicherweise wurde es mit Milch gegessen. In den Konditoreien von Helsinki gab es Mitte des 19. Jahrhunderts bereits das auch heute noch bekannte, mit Marzipan gefüllte Hefegebgäck zu kaufen.

 

Finnisches Fastnachtsgebäck – Laskiaispulla

Zutaten: (für ca. 10 große Pullas)

2 1/2 dl Milch
25 g Hefe oder
1 Pck. Trockenhefe
1/2 TL Salz
1 dl Zucker
1 EL Kardamom
ca. 7 dl Weizenmehl
50-75 g Butter oder Margarine

Zum Bestreichen: 1 Ei

Alle Zutaten sollten Raumtemperatur haben.

  1. Die Hefe in die lauwarme Milch zerkrümeln.
    2. Nachdem sich die Hefe aufgelöst hat, Zucker, Salz und Kardamom hinzufügen.
    3. So viel Mehl einrühren, bis man eine dickliche Masse hat. Die Mischung mit dem Mixer so lange schlagen, bis sie glänzt.
    4.  Das restliche Mehl nach und nach hinzufügen und den Teig so lange mit der Hand kneten, bis er glatt und elastisch wird. Das weiche Fett zugeben und den Teig weiterkneten, bis er sich von der Hand und dem Rand löst.
    5. Die Schüssel mit einem Küchentuch abdecken und an einem nicht zugigen Ort auf das doppelte Volumen aufgehen lassen.
    6.  Aus dem Teig ca. 10 Pullas formen und noch einmal aufgehen lassen.
    7. Die Pullas mit dem aufgeschlagenen Ei bestreichen. Wenn man eine kräftigere Farbe erzielen möchte, verwendet man zum Bestreichen nur das Eigelb.
    8.  Mit Hagelzucker bestreuen. Wenn man die fertigen Laskiaispullas später mit Puderzucker bestreut, kann man den Hagelzucker weglassen.
    9. Die Pullas bei 225°C 12-15 Min. backen.

Jeweils einen Deckel abschneiden und die Laskiaispullas füllen. Den Deckel wieder draufsetzen und mit Puderzucker bestreuen.
Laskiaispullas werden entweder einfach so oder in einem tiefen Teller mit etwas warmer Milch serviert.

Mögliche Füllungen:
  • Nach dem Abschneiden des Deckels die untere Hälfte mit einem kleinen Löffel etwas aushöhlen. In einer Schüssel 100 g gemahlene Mandeln, den ausgehöhlten Inhalt, ca. 1 ½ dl Puderzucker und ca. 1 dl Milch oder Sahne zu einer glatten Masse verrühren. Die Masse auf die Pullas verteilen, mit einem Klecks Schlagsahne dekorieren und den Deckel draufsetzen.
  • 2 dl Schlagsahne steif schlagen. Mit einem großen, geriebenen Apfel und 1 dl gemahlenen Mandeln verrühren.
  • Himbeerkonfitüre, Schlagsahne und Beeren (TK)

 

Rezept und Foto: Marttaliitto/valokuva-arkisto

Quelle: Karjalainen, Korhonen, Lehtonen, Uusi ajantieto, WSOY

Beitragsbild: Visit Finland

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