Neuland NMS – wie die Finninnen nach Neumünster kamen

Das Museum Tuch+Technik in Neumünster hat mit der Projektleiterin Verena Manke eine Sonderausstellung über die Migration in Neumünster in den letzten 150 Jahren erstellt. Dass hier auch Finnen auftauchen, mag viele überraschen und ist wohl auch etwas ungewöhnlich.

Entwicklung zur Industriestadt

Neumünster war vor ca. 150 Jahren eine kleine Stadt. Zu dieser Zeit begann sich in Neumünster die Tuchindustrie zu entwickeln. Viele Fabriken entstanden und man brauchte dringend Arbeiter. Diese kamen zum Teil aus Schlesien und auch aus anderen deutschen Gebieten. Neumünster wuchs zu einer richtigen Stadt mit viel Industrie heran. Nach dem Krieg verschlug es auch viele Flüchtlinge in die Stadt.

Arbeitskräfte gesucht

In den 1960er und 1970er Jahre wurden viele ausländische Arbeitskräfte angeworben. Diese waren zum großen Teil nicht sehr gut ausgebildet und mussten hier erst angelernt werden. Viele dieser Gastarbeiter kamen, weil es in ihrem Land wenig Arbeit gab.

Die Bekleidungsfirma Marsian suchte auch Arbeitskräfte. Einer der Führungskräfte war ein Finnlandfan und hatte auch Kontakte nach Finnland. Über die Schule Talous- ja Ompelualan Ammattikoulu in Helsinki kamen einige junge Finninnen nach Neumünster. Auch aus anderen Landesteilen wurden Frauen angeworben. Der Unterschied zu anderen Gastarbeitern war, dass die Finninnen gut ausgebildete Schneiderinnen, also Facharbeiter waren. Auch kamen sie nicht aus Not, sondern es ging vielen um eine berufliche Weiterbildung. Kennenlernen der industriellen Fertigung.

EU macht vieles einfacher

An der Ausstellung beteiligte finnische Frauen

Interessant ist, wie es zwischen 1965-1972 mit dem Anwerben der finnischen Arbeitskräfte ablief. Wer noch nicht 21 Jahre alt war, brauchte damals das Einverständnis der Eltern. Da Finnland noch nicht in der EU war, musste die Firma eine Arbeitserlaubnis beantragen. Auch eine Aufenthaltsgenehmigung war erforderlich. Beides war zeitlich begrenzt und galt fast immer nur für ein Jahr. Dieses war noch eine sehr lange Zeit erforderlich. Meine Frau brauchte es sogar noch, als sie verheiratet war und wir zusammen zwei deutsche Kinder hatten. Das fanden wir damals immer sehr nervend. Der EU sei Dank, das ist nun kein Problem mehr.

Viele bleiben in Neumünster

Zwischen 70-80 Finninnen kamen so nach Neumünster. Einige gingen zurück, aber über 20 blieben hier und gründeten Familien. Prozentual hat die Stadt dadurch vielleicht den höchsten Anteil von Finnen und Halbfinnen in Deutschland.

Anja Reß mit einem Flickenteppich

Die Ausstellung im Museum Tuch+Technik beschäftigt sich nun damit, wie und warum die unterschiedlichen Menschen in die Stadt kamen. Wie wurden sie aufgenommen? Wie haben sie sich integriert? Wie fühlen sie sich aufgenommen und wertgeschätzt? Was erinnert sie noch an die alte Heimat?

In Vitrinen werden Gegenstände präsentiert, die die Menschen aus ihrer Heimat mitgebracht haben und als Erinnerung an diese aufbewahrt haben. Schriftlich und auch in einem Videointerview schildern einige ihre Erlebnisse. Wie die Finninnen nach Deutschland kamen und sich hier integriert haben wird  in  2 Vitrinen, einem Trachtenkleid, einen gewebten finnischen Teppich und ein Videointerview dargestellt.

Es ist eine gelungene Ausstellung geworden, die man sich unbedingt anschauen sollte!

Text und Fotos: Anja und Karl-Heiner Reß

Ausstellungsort: Neumünster Museum Tuch+Technik, 31.Januar-07.Juni 2020

Anja Reß (l.) und Kuratorin Verena Manke

 

Beitragsfoto oben: MakS_Jens Koenig

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