Reisebericht: 4 Wochen Finnland mit dem VW-Bus

Alexandra Mahler-Wings, Finnlandliebhaberin und aktives DFG-Mitglied, berichtet in mehreren Blogbeiträgen mit wunderschönen Fotos über ihre diesjährige Reise gemeinsam mit ihrem Mann und dem Hund Nellie:

 

1. Station: Helsinki mit Metro und Rädern

Wir haben diesen Spätsommer die Fähre direkt nach Finnland gebucht. Nach Helsinki sind es mit Finnlines von Travemünde aus 30 Stunden. Als Urlaubstart ist das für uns als Kieler optimal, Entspannung, leckeres Essen, kostenlose Sauna und, so man will, Sport mit Blick auf die Ostsee.

Morgens gegen 9 Uhr erreicht die Fähre Helsinki. Nur ca. 2 km vom Fähranleger Vuosaari entfernt, ebenfalls im Osten der Stadt liegt der Campingplatz Rastila, den wir als erstes ansteuern. Wir haben vier Wochen Zeit und wollen bis nach Lappland, aber zuerst ist die Hauptstadt dran. Mein Mann hat das Oodi noch nicht gesehen, die fantastische neue Stadtbücherei von Helsinki, ein Traum aus Holz und Glas, das Wohnzimmer für die Bewohner*innen von Helsinki und ihre Besucher*innen. Das Amos Rex wollen wir auch wieder besuchen, dort geht es um den Ars Fennica Award 2019.

Außerdem ist die Stadt immer einen Besuch wert, zum Bummeln und um alte und neue Stadtviertel zu erkunden. Von letzteren gibt es einige, denn Helsinki wächst. Und die Stadt hat ganze 100 km Küstenlinie. In der Rezeption liegt ein kostenloser Fahrradplan für den Großraum Helsinki aus. Eigentlich hatten wir geplant, mit der Metro in die Stadt zu fahren, aber der Plan bringt uns auf eine andere Idee: wir fahren mit den Rädern an der Küste entlang in die Stadt und mit der Metro zurück. Fahrräder werden kostenlos transportiert, auch der Hund muss, anders als in Deutschland, nicht zahlen. Und die Metrostationen allein sind schon einen Besuch wert.

Auf dem Weg fahren wir durch Vororte, aber auch durch Wald, vorbei an Einkaufszentren, Grünanlagen. Immer wieder öffnet sich der Blick aufs Meer. Auf Kulosaari/Brandö machen wir Pause.

Dann kommen wir an dem schon teilweise neu gebauten Stadtteil Kalasatama vorbei und freuen uns, dass das Kahvila Ihana, das wunderbare Café am Rande des Baugebietes, noch da ist.

In der Stadt fahren wir wie geplant zum wunderbaren Oodi, draußen und drinnen ist viel Betrieb, Familien und Jung und Alt trifft sich hier.

Am nächsten Tag lädt das Wetter wieder zum Radfahren ein. Wir fahren mit Metro und Rädern in die Stadt und von Ruoholahti aus

weiter nach Westen bis Espoo. Es geht über Brücken, vorbei an Badestellen, die mit allem Komfort ausgestattet sind (und für Hunde verboten) und an verträumten, versteckten Buchten. An einer treffen wir eine Finnin, die uns erzählt, dass sie hier regelmäßig schwimmen geht. Mit den Rädern fahren wir bis zur westlichsten Metrostation zurück und von dort nach Rastila.

Am dritten Tag folgen wir einem Tipp meiner Finnischlehrerin: Wir fahren, diesmal mit Zug und Fahrrädern (es gilt dasselbe wie in der Metro) nach Kerava und von dort zum Tuusula See. Am südlichen Ende lohnt die Kirche von Tuusula einen Besuch.

Rund um diesen See ist geballt finnische Kultur und Geschichte zu finden. Als Anfang des 20. Jahrhunderts das finnische Nationalbewusstsein erwachte, hat hier am See eine Künstlergemeinschaft gelebt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem finnischen Geist in Literatur, Musik und Gemälden Ausdruck zu verleihen. Jean Sibelius und seine Frau Aino wohnten hier ebenso wie der Verleger der ersten finnischen Zeitung. Die Zeit wird als goldenes Zeitalter der finnischen Kultur bezeichnet. Einige der Häuser sind nun als Museen zu besichtigen, u.a. auch die Sterbehütte von Aleksis Kivi. In diesem kleinen Holzhaus mit zwei Zimmern hat der kranke Schriftsteller mit der Familie seines Bruders die letzten Lebensjahre verbracht und wurde von seinem Bruder und dessen Frau bis zu seinem Tod gepflegt. Pekka Halonen und seine Familie wohnten dagegen in einer stattlichen Holzvilla mit großem Garten direkt am See. Dieses Haus war auch Treffpunkt der Künstlergemeinschaft.

Auch Ainola, das Haus von Jean und Aino Sibelius, ist eine prachtvolle Villa. Wir fahren bis zum an der Nordspitze des Sees liegenden Järvenpää– vorbei an einer Skateranlage, auf der Kinder mit Rollern üben – und von dort mit dem Zug nach Helsinki zurück. Am 4. Tag verlassen wir Helsinki nach einem Einkaufsbummel mit leckerem Lounasbuffet als Abschluss und fahren über Vantaa nach Westen. In Vantaa halten wir bei Fazer, zu verlockend um vorbeizufahren. Spontan ist eine  Besichtigung nicht möglich, wir hätten online buchen müssen – das wissen wir fürs nächste Mal, aber süße Vorräte einkaufen geht natürlich.

Fortsetzung folgt!

Text und Fotos: Alexandra Mahler-Wings

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