50 Jahre Felsenkirche in Helsinki

Im September 1969 wurde die Felsenkirche im Helsinkier Stadtteil Töölö eingeweiht. Die international einmalige Architektur hat die Kirche zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Landes gemacht und zu einem Ort, in dem der Geist der Schöpfung besonders intensiv spürbar wird.

Im städtischen Bauplan von Helsinki war bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eine neue Kirche am Ende der Fredrikinkatu vorgesehen. Darauf weisen auch die Straßennamen Temppelikatu (Tempelstraße) und Temppeliaukio (Tempelplatz) hin. In den 1930er Jahren wurden zwei Architektenwettbewerbe zwecks Neubau einer Kirche ausgeschrieben. Tatsächlich realisiert werden sollte der Entwurf des Architekten J.S.Sirén, dessen imposante Kathedrale den dritten Platz im zweiten Wettbewerb errungen hatte. Die Bauarbeiten begannen im November 1939 – drei Tage später trat Finnland in den 2. Weltkrieg ein, den finnischen Winterkrieg.

In den Granitfels gebaut

Foto: Juha Martinmaa

Nach den Kriegsjahren ging es dann vorrangig um die Behebung von Kriegsschäden und das Schaffen neuen Wohnraumes. Der Neubau einer Kirche auf dem Tempelplatz musste erst einmal warten. Anfang der 1960er Jahre gewannen dann die Brüder Timo und Tuomo Suomalainen den erneut ausgeschriebenen Architektenwettbewerb mit dem Entwurf der heutigen Felsenkirche. Gemäß der für die damalige Zeit sehr modernen und extravaganten Baupläne baute man die Kirche – wie der Name es schon verrät – in den Granitfels und versah sie mit einer wunderschönen kupfernen Kuppel.

Kirchenbau statt Entwicklungshilfe

Es gab jedoch auch viel Gegenwind gegen den Bau der Kirche. Nicht nur das ungewöhnliche äußere Erscheinungsbild brachte Kritik hervor, sondern auch die Finanzierung des Baus. Es sollte kein Geld für eine weitere leerstehende Kirche verschwendet werden. Auch die damals sehr aktive Studentenbewegung war gegen den Bau und protestierte durch Wandschmierereien gegen die geplante Kürzung der Entwicklungshilfe zu Gunsten des Kirchenbaus. In der Presse bezeichnete man die Kirche als „Teufelsabwehrbunker“ und „Millionenkirche“.  Aber die Befürworter waren in der Mehrzahl und nach einigen Einsparungen bei den zusätzlichen Räumen konnte das Projekt durchgeführt werden.

Besuchermagnet

Als die Kirche schließlich im Herbst 1969 fertiggestellt war, konnten mehr als 100.000 Besucher bis zum Jahresende gezählt werden. Es war auch nicht nur der Reiz des Neuen, der die Menschen in die Kirche trieb. Die Felsenkirche ist heute eine der bekanntesten Bauten und die meistbesuchte Kirche Finnlands.

Foto: Juha Martinmaa

Seit 2004 steht die Felsenkirche unter Denkmalschutz. Im Gutachten steht zur Begründung: „Die Felsenkirche ist ein einzigartiges, dem als typisch finnisch empfundenen Schöpfungsgeist entsprungenes Bauwerk, das sich organisch an den Baustil der Rotklinkergebäude des den Tempelplatz umgebenden Stadtteils Töölö anpasst. Als hervorstechendster Bestandteil der Kirche vermittelt der Granitfelsen einen naturnahen und soliden Eindruck, der durch das Kupferdach, das Oberlicht und den aus Beton gegossenen Eingangsbereich vervollständigt wird.“

Dank ihrer hervorragenden Akustik ist die Felsenkirche auch ein äußerst beliebter Konzertsaal, in dem jedes Jahr unzählige Konzerte stattfinden. In 2018 haben mehr als 850.000 Menschen die Felsenkirche besucht. Sie ist, an den Besucherzahlen gemessen, die beliebteste architektonische Sehenswürdigkeit des Landes. Als touristische Sehenswürdigkeit rangiert die Felsenkirche an dritter Stelle nach dem Vergnügungspark Linnanmäki und der Festung Suomenlinna.

Foto oben: Juha Martinmaa

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